[Schade, kein Bild]

This is an essay on the subject of the chastity belt. It contains and consists of many quotations of Platon and other famous philosophers. Unfortunatly, it seems to be written entirely in german. But do not be afraid: German is easy to learn: in my country, even little children speaks it. Or you can read a Translation.

[RULER]

31 Siehe, für die Gottesfürchtigen ist ein seliger Ort,
32 Gartengehege und Weinberge,
33 Jungfrauen mit schwellenden Brüsten, Altersgenossinnen
34und volle Becher.

Koran, Sure 78

Im Himmel war ich, dem Sein Angesicht
Am hellsten leuchtet, sah dort, was zu sagen
Dem, der herabkam, Sinn und Wort gebricht.

Dante, Paradiso 1

In seinem Roman Kyberiade erzählt Stanislaw Lem von einem Roboter-Konstrukteur (einem Roboter, der Roboter konstruiert) namens Trurl, der beschließt, das vollkomene Glück auf Erden und eine vollkommene Gesellschaft zu erschaffen. Seltsamerweise stellen sich alle seine Projekte als Fehlschläge heraus, und es scheint, als sei es zwangsläufig so, als müsse ein Wesen, das Verstand hat, auch unglücklich sein. In seiner Not erweckt Trurl seinen alten Lehrer Cerebron Emtadrat wieder zum Leben, und dieser belehrt ihn, daß es tatsächlich eine vollkommene glückliche Maschine gebe, den Ekstator, dessen einzige Funktion es sei, glücklich zu sein, da es aber sinnlos sei, diese Maschine zu bauen.

"Wenn ich dir jetzt vorschlüge, dich in die Zwangsjacke Ewigen Glücks zu stecken, sagen wir, ich würde dich in meinen Eksator einsperren, damit du dort die nächsten einundzwanzig Milliarden Jahre in höchster und reinster Glückseligkeit verbringen könntest, statt dich in dunkler Nacht auf Friedhöfen herumzudrücken, die Gebeine deines Professors in ihrer ewigen Ruhe zu stören und Informationen aus Gräbern zu stehlen, wenn du zudem die Suppe nicht mehr auszulöffeln hättest, die du dir eingebrockt hast, wenn du frei wärst von allen künftigen Aufgaben, Sorgen, Problemen und Mühen, die unser tägliches Dasein belasten und bedrücken - wärst du dann mit meinem Vorschlag einverstanden? Würdest du deine aktuelle Existenz gegen das Reich des Ewigen Glücks eintauschen wollen? Antworte schnell, ja oder nein?"
"Nein! Natürlich nicht! Niemals!" rief Trurl aus.

Platon schrieb einmal (im Gastmahl, 104d) "Und weiter zu fragen bedarf es nicht, weshalb denn der glücklich sein will, der es will, sondern die Beantwortung scheint vollendet zu sein.", jedes Mensch strebe offensichtlich nach Glück, und warum es das tue, danach lasse sich nicht fragen. Nichtsdestotrotz hat auch Platon, zweieinhalb Jahrtausende vor Lem, gemerkt, das hier etwas nicht stimmt, da es ganz so einfach nicht ist, da die Menschen, wenn ihnen das Glck angeboten wird, imstande sind, es auszuschlagen. Im Philebos 21b entwirft Platon das Bild eines Wesens, das an aller Lust teil hat, aber nicht an der Vernunft, wie "ein Polyp oder ein Schalentier, wie man sie im Meer findet". Und auch hier lehnt es der Gesprächspartner ab, ein solches Leben zu führen, voller Glückseligkeit, aber ohne Bewußtsein. Platon nimmt an, daß Bewußtsein zur Glückseligkeit dazugehört, denn Glück sei eine Wahrnehmung, die ein sie wahrnehmendes Bewutsein voraussetze. Darüber hinaus entwickelt er im Dialog Gorgias eine Dialektik der Lust, in der er zu zeigen versucht, daß Lust notwendig mit Unlust zusammenhängt. Das Modell, an dem er sich dabei orientiert, ist das von hungrigsein und essen. Hungrigsein sei unlustvoll, den Hunger dann aber durch Essen zu stillen sei lustvoll: die Lust kann nur zustande kommen durch eine vorangegangene Unlust. Umgekehrt schildert Platon im Phaidon 60b, Sokrates, wie ihm die Ketten abgenommen werden und er deswegen, weil ihm endlich die Fesseln abgenommen werden, ein angenehmes Gefühl in den Schenkeln hat und bemerkt:

"Was für ein eigenes Ding, ihr Männer, ist es doch um das, was die Menschen angenehm nennen; wie wunderlich es sich verhält zu dem, was ihm entgegengesetzt zu sein scheint, dem Unangenehmen, daß nämlich beide zu gleicher Zeit zwar nie in einem Menschen sein wollen, doch aber, wenn einer dem einen nachgeht und es erlangt, er meist immer genötigt ist, auch das andere mitzuunehmen, als ob sie zu zweit an einer Spitze zusammengeknüpft wären."

Eine übliche Erklärung für diesen Sachverhalt lautet gewöhnlich, daß etwas, was permanent vorhanden ist, nicht mehr wahrgenommen werden kann. So wurde im Mittelalter etwa die Unhörbarkeit der Sphärenmusik dadurch begründet, daß wir sie schon von Geburt an hören. Und tatsächlich können wir den blinden Fleck in unserer Netzhaut auch nicht direkt wahrnehmen, sondern nur indirekt sein Vorhandensein erschlieen, weil wir schon mit diesem blinden Fleck zur Welt kommen. Und wären wir immer glücklich, dann könnten wir dieses Glück gar nicht mehr wahrnehmen, und dann wären wir nicht mehr glücklich. Erst der Vergleich und der Kontrast zum Unglück macht das Glück wahrnehmbar. Merkwürdig genug dann, daß Platon an vielen Stellen seines Werkes betont, an eine jenseitige Gerechtigkeit zu glauben, und daß die Guten nach dem Tod mit ungetrübter Glückseligkeit belohnt werden würden; denn seiner eigenen Theorie zufolge ist das ja gar nicht möglich: einen Gott oder Götter mag es geben oder auch nicht, aber ein Himmel, das wäre dann so etwas wie die Quadratur des Kreises, etwas schon aus logischen Gründen unmögliches.

[RULER]

"Hest du dy denn niks wünschd?" säd de Fru.
"Ne", säd de Mann, "wat schull ik my wünschen?"

Von dem Fischer und syner Fru

Ich glaube, es bedarf weiter zu fragen, "weshalb denn der glücklich sein will, der es will". Denn es gibt ja nicht wirklich einen rein logischen, apriorischen Grund, warum etwas, was lange wahrgenommen wird, immer schwächer wahrgenommen wird. Tatsächlich ist es ja auch gar nicht mit allen Dingen so: ein sanftes Klopfen etwa, das immer wieder auf der selben Stelle wiederholt wird, verwandelt sich irgendwann in einen stechenden Schmerz. Von unserer Geburt an sind wir an das Gefühl gewöhnt, ausgeatmet zu haben, und dennoch lassen wir uns davon nicht beirren und atmen immer wieder ein. Es wäre auch eine Welt vorstellbar, in der Menschen dauerhaft glücklich wären, und es stellt sich die Frage, warum unsere Welt keine solche Welt ist.
Ich glaube, die Antwort läßt sich, wie die Frage, bei Lem finden, diesmal in seinem Buch Golem XIV. Darin stellt Lem die These auf, es sei keineswegs so, daß die Lebewesen sich fortpflanzen wollten und sich zu diesem Zweck der Gene als Werkzeuge bedienten, sondern genau umgekehrt. Unglücklicherweise kommt Lem mit dieser These schon wieder etwas zu spät, wenn auch diesmal nur um fünf Jahre. 1976 nämlich erschien Richard Dawkins Buch Das egoistische Gen (The Selfish Gene), in dem Dawkins genau diese These aufstellt (Lem konnte allerdings hinter dem eisernen Vorhang in Polen kaum etwas von Dawkins wissen, und war so gezwungen, Dawkins Entdeckung unabhängig von ihm zu wiederholen). Nach Dawkin stellt sich die Welt so dar: die Gene wollen sich selbst reproduzieren, und deshalb bauen sie sich Maschinen, die sogenannten Lebewesen, die dieser Reproduktion dienlich sind. In Wahrheit ist der Sachverhalt noch etwas verzwickter, denn die Gene haben an sich keinerlei Bewußtsein und deshalb auch keine Intention. Aber es gibt nur solche Gene, die für ihre Reproduktion sorgen, denn alle anderen sterben aus, und deshalb benehmen die Gene sich so, als hätten sie eine Intention. Daß es sich so herum verhält und nicht andersherum, da die Lebewesen die Gene zur Fortpflanzung benutzen, belegt Dawkins beispielsweise am altruistischen Verhalten mancher Tiere gegenüber mutmaßlichen Verwandten, oder an einem spezielleren Beispiel, dem t-Gen bei Mäusen. Kommt das t-Gen bei einer Maus in zwei Allelen vor, dann stirbt sie. Kommt es nur bei einem Allel vor, dann ist die Maus äußerlich unverändert, aber das t-Gen wirkt dann als Segregationsverzerrer, und diese Maus wird das Gen an alle ihre Nachkommen weitergeben. Infolgedessen ist es so, daß, wenn eine Maus in einer Mäusepopulation das t-Gen trägt, das t-Gen sich rasch in der ganzen Population ausbreiten und dann die Population ausrotten. Tatsächlich geschieht es (anscheinend) bei wildlebenden Populationen immer wieder, daß sie durch ein eingeschlepptes oder durch Mutation entstandes t-Gen ausgerottet werden. Vom Standpunkt der Mäuse aus betrachtet, ist dieser Sachverhalt also höchst unerfreulich: vom Standpunkt des t-Gens aus ist er erträglich: durch die Segregationsverzerrung ist die Verbreitung dieses Gens gesichert. Die einzige Frage, die übrigbleibt, ist die, warum es nur wenige Segregationsverzerrer unter den Genen gibt; auch diese Frage wird von Dawkins beantwortet.
Gewöhnlich bauen die Gene für ihre Zwecke Lebewesen, deren Programm eher schlicht gestrickt ist und relativ unflexibel abläuft; dieses Programm wird meistens instinktives Verhalten genannt. Es gibt aber auch einige Lebewesen, insbesondere den Menschen, die mit einem sehr flexiblen Programm ausgerüstet sind, was manchmal als freier Wille bezeichnet wird, und die deshalb eine algedonische Steuerung besitzen: das heißt, die Gene geben bestimmte Ziele vor, wie etwa Sattheit, Sicherheit, Sex, und belegen deren Erreichung mit Lust, deren Verfehlung mit Unlust. Wie diese Ziele erreicht werden, bleibt der Kreativität und dem Einfallsreichtum des jeweiligen einzelnen Lebewesens überlassen. Die Gene geben die hedonistische Belegung vor, und das Lebewesen überlegt sich selbsttätig Strategien, Lust zu erreichen. Und deshalb wollen Menschen glücklich sein. Ein langandauerndes, gar ewiges Glück liegt dabei nicht im Interesse der Gene und entspricht nicht den Prinzipien einer algedonischen Steuerung. Denn gewöhnlich hat kein Mensch schon so viel für seine Gene getan, da er nicht noch mehr tun könnte, und deshalb überkommt ihn nach jedem Glück früher oder später wieder das Gefühl, irgend etwas tun zu müssen, um noch glücklicher zu sein, so, wie auch die Frau des Fischers im Märchen vom Fischer und seiner Frau nicht mit ihrem Haus und nicht mit ihrem Schloß zufrieden ist, und wie nichts schwerer zu ertragen, als eine Reihe von glücklichen Tagen. Würde ein Mensch eine Maschine konstruieren, mit deren Hilfe er sich (und damit auch seine Gene) eine Milliarde mal kopieren und auf der ganzen Erde verbreiten könnte, dann wäre den Genen damit kaum gedient, denn mit einer solchen Möglichkeiten können sie nicht rechnen, und dementsprechend empfinden auch die wenigsten Menschen ein besonderes Glücksgefühl bei der Vorstellung, sich selbst eine Milliarde mal zu kopieren (einmal abgesehen davon, daß es vielleicht gar nicht im Interesse aller Gene eines Menschen läge, würden sie alle eine Milliarde mal über die Erde verbreitet, denn dadurch würde auch die Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten sprunghaft ansteigen). Was aber die meisten Menschen wünschen, sind ein sicheres Auskommen, ein Heim, Sexualpartner und regelmäßige Mahlzeiten. Und haben sie etwas davon, dann wünschen sie sich mehr davon.

[RULER]

Mais il est si doux d'attendre
Jean Giraudoux, Ondine

Selbstverständlich ist dies alles kein ganz und gar unentrinnbares Fatum. Wie Dawkins schreibt, überlisten wir unsere Gene jedesmal, wenn wir ein Verhütungsmittel benutzen (wobei in den Industrieländern der langfristige Erfolg der Gene möglicherweise gar nicht von einer möglichst großen Kinderzahl abhängt, denn viele Kinder bedeuten oft arme Kinder mit geringeren Möglichkeiten). Es ist auch möglich, den Geschlechtstrieb in höhere Sphären umzuleiten und Gott in mystischer Verzückung zu verehren oder in irgend einer anderen Art und Weise den Lohn der algedonischen Steuerung zu kassieren und dabei gleichzeitig den nötigen Aufwand zu minimieren, etwa Sex zu haben, aber keine Kinder aufzuziehen, oder Kinder aufzuziehen, aber nur eine überschaubare, moderate Anzahl. In der Spätantike gab es eine gnostische Sekte, die angeblich (so zumindest ihre christlichen Widersacher) die Zeugung für etwas widerliches hielten, weil durch die Zeugung das Elend dieser unseligen Welt verlängert wird, und die gefallenen göttlichen Funken, die im Samen stecken, weiter in der Welt gefangen gehalten werden, und deshalb propagierte diese Sekten Arten des Beischlafs, bei denen zwar Samen vergossen wurde, aber keine Befruchtung stattfand, wie etwa Masturbation, Fellatio oder Analverkehr, als etwas heiliges und reinigendes. Zwar ist diese Sekte bis auf einige wenige Erwähnungen in den Schriften ihrer Gegner vollständig vom Antlitz der Erde verschwunden, aber sich zu verbreiten und zu vermehren war ja ohnehin nicht ihr Ziel gewesen. Möglich ist es auch, Zufriedenheit und Genügsamkeit zu üben und zu lernen.
Nichtsdestotrotz sieht es nach dem gesagten so aus, als sei der menschliche Geist so strukturiert, daß Menschen immer irgend etwas haben müssen, wonach sie streben und was sie unbedingt erreichen wollen, und es scheint ihnen kaum möglich, zufrieden auf das erreichte zu blicken. Dieses Streben nach etwas muß aber nicht unbedingt immer unlustvoll sein. Platon benutzte das Modell von Hunger und Essen: Hunger zu haben ist unlustvoll, den Hunger zu stillen ist lustvoll. Aber es muß nicht notwendigerweise so sein: es kann auch lustvoll sein, nach einem Ziel zu streben. Wenn ich etwa diesen Aufsatz schreibe, dann strebe ich danach, ihn zu ende zu schreiben, aber gleichzeitig ist das Schreiben dieses Aufsatz durchaus etwas lustvolles, ebenso, wie das Malen eines Bildes an sich schon etwas lustvolles sein kann, auch wenn das eigentliche Ziel das vollendete Bild ist. Vielleicht ist das Ziel eines Flirts, das andere ins Bett zu bekommen, und vielleicht ist das Ziel des Beischlafs, zum Orgasmus zu kommen, aber deswegen können trotzdem Flirt oder Beischlaf schon an sich lustvoll sein, und deswegen gibt es Menschen, die das eine oder das andere in die Länge zu ziehen versuchen. Mithin besteht das Glück für einen Menschen auf dieser Welt darin, einer befriedigenden Arbeit nachzugehen. Freilich muß es eine Arbeit sein, die Widerstände aufbietet, die ihre Schwierigkeiten aufweist: ein Computerspiel, das einfach und auf Anhieb zu gewinnen ist, hat wenig Reiz, und am reizvollsten sind die philosophischen Probleme, die als unlösbar gelten.
Der Zustand sexueller Erregung zielt an sich auf die sexuelle Erfüllung ab, ist aber auch ein an sich lustvoller Zustand. Wenn es uns nun gelingen würde, eine Situation zu schaffen, in dem dieser Zustand sexueller Erregung eine Rolle spielen würde, es aber gleichzeitig so wäre, daß dieser Zustand verlängert und intensiviert würde, wenn wir deutlich ein höchst erstrebenswertes Ziel vor Augen hätten, das Erreichen dieses Zieles aber nicht nur von uns abhinge, sondern uns Widerstand leistete, dann hätten wir, da die sexuelle Lust meist die intensivste ist, das größtmögliche Glück auf Erden gefunden. Tatsächlich ist eine solche Situation ganz einfach zu erreichen: du, liebe Leserin (oder auch lieber Leser) mußt nur einen Keuschheitsgürtel anziehen und den Schlüssel deinem Geliebten, deiner Geliebten übergeben. Dein Wunsch nach Erfüllung wird mehr und mehr wachsen, und ebenso deine Lust, bis du schließlich meinst vergehen zu müssen vor Lust und Geilheit, ohne Befriedigung finden zu können, bis du nur noch aus Lust zu bestehen glaubst und jede Berührung, jedes Wort deines Freundes dich in den Himmel versetzt, den einzigen, der Menschen erreichbar ist.




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Jan Thor
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