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„My Favorite Things“ ist der Name eines Stückes von Richard Rodgers & Oscar Hammerstein. Es war einer von John Coltranes ersten Erfolgen, und der Titel eines seiner schönsten Alben.

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Test it

Eine Werbeanzeige für West-Zigarretten, die sowohl in Hoch- als auch in Querformat in Zeitungen, an Bushaltestellen, Litfaßsäulen und großen Anschlagtafeln zu sehen war. Ich glaube nicht, daß diese langen Haare sehr praktisch zum arbeiten sind, aber wen stört das schon?

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Dakota

Eine weitere Anzeige, für Lederbekleidung. Aus einem Katalog mit vier weiteren Bildern mit dem selben Model, die Firma schien, wie ich, dieses Bild zu bevorzugen (das mit dem schönsten Lächeln) und benutzte es für größere Anzeigen (ein paar Tage lang hing die Dame in Lebensgröße in der Heidelberger Hauptstraße 149 über dem Laden).
Ich verwendete das Bild für eine Computercollage (Variation Nr.1), wobei ich den ganzen Text entfernte und ein weiteres Stück fetischistischer Unterwäsche hinzufügte. Später verfertigte ich eine handgemachte Zeichnung (Variation Nr.2) in realistischer (eins-zu-eins) Manier, und ein paar Jahre später fügte ich eine Zeichnung in mehr comichaftem Stil (Variation Nr.3) hinzu.
Ist es nicht schön: das Lächeln, der BH, die Hosen, die Haltung... "super charge your self!"

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Die Göttin & Ich


Die Autorenschaft für diese Werke ist schwierig zu bestimmen; die Mathematik, die dahintersteckt, wurde von Fatou und Julia entdeckt, von Mandelbrot erstmals mit Computern untersucht; andere haben Computerprogramme zur Darstellung dieser Objekte geschrieben, und ich habe die entsprechenden Parameter und Farbverläufe ausgewählt, eine nicht triviale Aufgabe (wie die verschiedenen Bilder der Mandelbrotmenge höchst unterschiedlicher Qualität beweisen). Und schließlich und endlich steckt in alledem eine Schönheit, eine Ästhetik, die überhaupt niemand als Urheber besitzt, gewissermaßen ein Werk der Göttin ist. Mithin sind diese Bilder Coproductionen der Göttin und mir (und vielen weiteren Menschen).

Mandelbrot Set Seahorse-Seahorse-Valley

Mandelbrot Set „Seahorse-Seahorse-Valley“ [363 KB]

Am Rand der Mandelbrotmenge gibt es eine Gegend, die als Seepferdchental bekannt ist. In dieser Gegend gibt es, wie überall am Rand der Mandelbrotmenge, kleinere Kopien der Mandelbrotmenge. Diese kleineren Kopien der Mandelbrotmenge enthalten dann wiederum Seepferdchentäler. Und so ein Seepferdchentalseepferdchental zeigt obiges Bild. Zu sehen ist die typische Struktur eines Knubbels am Rand des Seepferdchentals, die aber hier zusätzlich umgeben ist von weißen Filigranen in der typischen Seepferdchentalform. Ich bitte zu beachten, daß diese Doppelstruktur nur aufgrund der präzise gewählten Einfärbung überhaupt wahrnehmbar ist.

Mandelbrot Set Desert

Mandelbrot Set „Desert“ [82 KB]

Dieses Bild wurde mit einem etwas ambitionierteren Algorithmus erzeugt, der eine Pseudo-3D-Struktur erzeugt, die mich ein wenig an Dünen in einer Sandwüste erinnert hat (weshalb ich das Bild ocker gefärbt habe). Ein typisches Beispiel, daß wir in allem, was wir sehen, vertraute Muster erkennen wollen.

Mandelbrot Set Green Canyon

Mandelbrot Set „Green Canyon“ [48 KB]

Eine Schlucht zwischen zwei bewaldeten Bergen. Es könnte sich freilich auch um irgendeine sexuelle Anspielung handeln.

Mandelbrot Set Green Canyon (Detail)

Mandelbrot Set „Green Canyon (Detail)“ [15 KB]

Ein Ausschnitt aus dem obigen Bild (gedreht und anders gefärbt), mit einem Strauß von Waldblumen samt unterirdischen Wurzeln.



Um den Mehrwert meiner Seite für meine Benutzer zu steigern, habe ich bei einigen Künstlern Verweise auf erschwingliche Bildbände hinzugefügt, die über amazon.de bestellt werden können. Im Falle der Mandelbrotmenge erlaube ich mir Werbung zu machen für Benoît Mandelbrot: Die fraktale Geometrie der Natur, ein inzwischen klassischer Text, auch wenn er vielleicht mit etwas weniger vielen bunten Bildern geschmückt ist als mancher Nachfolgeband.

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Francesca Woodman


Francesca Woodman wurde am 3. April 1958 in Denver geboren. Mit 13 oder 14 begann sie zu photographieren, eine Gewohnheit, die sie bis zum 19. Januar 1981 beibehielt, als sie mit zweiundzwanzig Jahren aus dem Fenster ihrer Wohnung sprang und ein Werk hinterließ, das naturgemäß schmal, aber nichtsdestoweniger eindrucksvoll ist.

Space 2

„Space2“ [Providence, Rhode Island, 1975-1978, 21 KB]

Eines von vielen unscharfen Bildern; Woodmans Bilder sind nahezu allesamt sorgfältig inszeniert, aber gewöhnlich in kürzester Zeit aufgenommen worden. Oft sind sie gestochen scharf, oft auch, wie hier, ist die photographierte Person, häufig Woodman selbst, so unscharf, daß sie nicht zu erkennen ist, ein geisterhafter Schatten, ein Schemen. Oft auch stehen die photographierten Personen am Rand des Bildes, sind abgeschnitten, liegen außerhalb des Focus. Der Raum, die Leere, das Verschwinden werden sichtbar. Wir wollen vermeiden, die Geschmacklosigkeit zu begehen, diese Thematik mit ihrem frühen Tod zu assoziieren.

Untitled

Untitled [MacDowell Colony, Petersborogh, New Hampshire, Summer 1980, 84 KB]

Ein weniger verwischtes Bild.

On Being an Angel

„On Being an Angel“ [Providence, Rhode Island, Spring 1977, 55 KB]

Nicht nur (elende, marktschreierische, ahnungslose Superlative) eines der besten Bilder Woodmans, sondern überhaupt eines der schönsten Bilder, das ich kenne. Dieses Bild hat mich zum ersten Mal auf Woodman aufmerksam gemacht.



Sämtliche Bilder sind dem verdienstvollen Band Francesca Woodman: Francesca Woodman entnommen.

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Alfons Mucha


Alfons Mucha wurde am 24. Juli 1860 in Ivanøcice geboren, was damals in Österreich lag. Mit 27 ging er nach Paris, seine interessantesten Werke entstanden in der Zeit von 1894 bis 1909; danach begann Mucha mehr und mehr, slawophilen Kitsch zu malen. Er starb am 14. Juli 1939; vier Monate zuvor war er von der mit der deutschen Armee in der Tschechoslovakei einmarschierten Gestapo verhaftet worden, wegen eben dieses slawophilen Kitsches, der den Verfechtern eines arischen Kitsches nicht behagte.
Der „Mucha-Stil“ wurde, zumindest in Frankreich, zu einem Synonym für die „Art Nouveau“, den „Modern Style“, den „Jugendstil“. Die Abstammung von Werbegraphik und Gebrauchskunst seiner Ornamentorgien ist kaum zu übersehen, seinen Platz in meinem Parnaß hat sich Mucha nichtsdestotrotz verdient, mag sein Werk nun große Kunst sein oder nicht.

La Samaritaine

Plakat für „Die Samariterin“ [58,7 x 173 cm, 1897, 92 KB]

Seinen großen Durchbruch, der ihn auf einen Schlag berühmt machte, erzielte Mucha mit einem Plakat für Sarah Bernhardt in dem Stück „Gismonda“. Dieses Bild zeigt ein weiteres Plakat Muchas für Sarah Bernhardt in „Die Samariterin“.

The Dance

Dekorationsbogen mit vier Musen: „Der Tanz“ [38 x 60 cm, 1898, 108 KB]

Wenn er nicht gerade Werbung für Nestlé, Job Zigrarettenpapier oder die slawische Sache machte, bevorzugte Mucha Zyklen wie etwa verschiedene Sterne, Kristalle, Pflanzenarten oder, wie im vorliegenden Fall, ein vierteiliges Dekorationsblatt mit jeweils vier der Musen, hier die Muse des Tanzes.

The Spring

Dekorationsbogen mit den vier Jahreszeiten: „Der Frühling“ [54 x 103 cm, 1896, 82 KB]

Ein weiterer Zyklus thematisierte die Jahreszeiten...

SunriseSunset

„Sonnenaufgang/Sonnenuntergang“ [je 100 x 60 cm, 42 KB + 50 KB]

...beziehungsweise die Tageszeiten.



Ein ausgesprochen preiswerter Bildband zu Mucha ist Renate Ulmer: Alfons Mucha. Auftakt zum Art Nouveau.

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Amedeo Modigliani


Amedeo Modigliani, geboren am 12. Juli 1884 in Livorno, hatte ein wildromantisches Künslerleben von der Art, aus der gewöhnlich ergreifende Hollywoodfilme gemacht werden. Er führte ein Bohemienleben am Rande des Hungertodes, nahm tagelang keine feste Nahrung zu sich, warf 1913 seine Skulpturen in Livorno in den Stadtkanal, eine Ausstellung von ihm wurde wegen groben Verstoßes gegen den Anstand am Tag der Vernissage geschlossen, er trank und nahm Drogen, litt an Tuberkulose und starb am 24. Januar 1920 an tuberkulöser Meningitis.

Jeanne Hebuterne

„Porträt Jeanne Hebuterne“ [70,5 x 34 cm, 1918, 33 KB]

Im März 1917 lernt Modigliani Jeanne Hébuterne kennen, eine Studentin der Akademie Colarossi. Die beiden haben am 29. November 1918 eine Tochter, Giovanna; am 22. Januar 1920 ist Jeanne erneut schwanger, im achten (andere Überlieferungen der Legende behapten: im neunten) Monat, als Amedeo ins Hôpital de la Charité eingeliefert wird. Zwei Tage später stirbt er, ohne das Bewußtsein wiederzuerlangen. Am Morgen des folgenden Sonntags, dem 25. Januar 1920, stürzt sich Jeanne Hébuterne aus dem Fenster der Wohnung ihrer Eltern.

Madame Zborowska

„Porträt Madame Zborowska“ [130,2 x 81,3 cm, 1917, 34 KB]

Modigliani malte nahezu ausschließlich Portraits und Akte; unter seinen Portraits tauchen immer wieder Leopold Zborowski, sein Händler und Beschützer, und dessen Frau auf.

Nude With White Cushion

„Akt mit weißem Kissen“ [60 x 92 cm, 1917, 35 KB]

Eines meiner liebsten Lieblingsbilder; das Original hängt in der Staatsgalerie Stuttgart, und es ist so ziemlich das Schönste, was es in Stuttgart gibt.

Nude In Shirt, Siting

„Akt im Hemd, sitzend“ [92 x 67,5 cm, 1917, 35 KB]

Ein Akt mit weißen Haarsträhnchen und einem nutzlosen Hemd.

Nude On The Sofa, Lieing

„Akt auf dem Diwan, liegend“ [81 x 116 cm, 1916, 24 KB]

Einer der wenigen Akte Modiglianis, bei dem die Füße links und der Kopf rechts liegen; normalerweise ist es umgekehrt.

Lieing Nude With Open Hair

„Liegender Akt mit aufgelöstem Haar“ [100 x 65 cm, 1917, 27 KB]

Ein Akt mit einer wunderschönen linken und einer wunderschönen rechten Hand.



Einer von vielen Bildbänden zu Modigliani ist beispielsweise Amadeo Modigliani: Akte und Portraits.

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Giorgio de Chirico


Giorgio de Chirico wurde in Volos im Jahr 1888 geboren und starb 1978 in Rom. Er begann in München Malerei zu studieren, wo er von Caspar David Friedrich, Arnold Böcklin oder Max Klingner beeinflußt wurde und einige nicht sehr eigenständige Bilder malte. Doch zwischen 1911 und 1913 entwickelte er dann seinen ganz eigenen und unheimlichen Stil.

The Uncertainty of the Poet

„Die Unsicherheit des Dichters“ [106,4 x 94,6 cm, 1913, 73 KB]

Einige typische Bestandteile der Bilder jener Zeit sind in diesem Gemälde versammelt: eine leere Piazza, mit einigen einfachen Strichen gekennzeichnet, in einem abendlichen Licht, eine Eisenbahn am Horizont, ein Sillleben, eine Anspielung auf den menschlichen Körper durch eine Statue (wie hier) oder eine Puppe oder eine Maske, eine Komposition, die ein Gefühl von jamais vue auslöst, erzielt mit den einfachsten Mitteln.

The Song of Love

„Das Lied der Liebe“ [73 x 59,1 cm, 1914, 52 KB]

Dieses Gemäde veranlaßte René Magritte, ein surrealistischer Maler zu werden; ein anderes Bild von de Chirico, „Das Gehirn des Kindes“, beeindruckte Yves Tanguy so sehr, daß er beschloß, Maler zu werden. Andere, wie André Masson oder Max Ernst, erklärten, daß de Chirico von großer Bedeutung für sie war. De Chirico erfand die surrealistische Malerei, noch ehe es das Wort dafür gab; er selbst nannte seinen Stil „metaphysische Malerei“.

The Concerning Muses

„Die beunruhigenden Musen“ [97 x 66 cm, 1916, 48 KB]

Mir gefällt außerordentlich de Chiricos Art zu malen, seine klaren Linien, seine ruhigen Farben. Ich bitte zu beachten, wie das Grün des Himmels (wiederholt als Schatten auf den Figuren) die Rotheit des Rots unterstützt. Ich bitte außerdem die seltsamen Perspektiven zu beachten, diese Ambiguität von Bühne und Piazza, und wie die Bühne und die Gebäude verschiedene Fluchtpunkte haben.

Metaphysical Interieur

„Metaphysisches Interieur“ [1916, 84 KB]

Eines von de Chiricos vielen Interieurs. Es enthält ein Bild im Bild, das Subbild ein Exterieur zeigend. Ich bitte zu beachten, wie alle Effekte dazu neigen, den Gegensatz zwischen Interieur und Subbild zu verstärken: Das Interieur hat ein offenes Fenster, das dunkle Nacht zeigt, es ist überladen und wirr, während die Szene innerhalb des Subbildes so klar und hell wie möglich ist, mit dem Blickpunkt weit oben und weit entfernt gewählt, und dem blauen Himmel, der genau die Hälfte des Rechtecks einnimmt.

Hector and Andromache

„Hektor und Andromache“ [90 x 60 cm, 1917, 59 KB]

Eines meiner liebsten Lieblingsbilder, als ich es zum ersten Mal sah, traf es mich ins Herz. Einzelheiten, wie dieses Bild mich beeinflußt hat, finden sich auf My Picture Galery I, Einzelheiten zur Geschichte von Hektor und Andromache finden sich in meiner Einführung zu Homer.

The Fight of the Gladiators

„Der Kampf der Gladiatoren“ [160 x 240 cm, 1928, 73 KB]

Später beschloß de Chirico, ein akademischer Maler zu werden und die großen Meister der Vergangenheit zu kopieren, etwas, was ihm Breton, das Haupt der surrealistischen Bewegung, nie verzieh. Es heißt, daß de Chiricos Bilder nach 1917 an Ausdruck verloren. Aber das stimmt nur zum Teil: seine späteren Bilder sind noch immer verstörend und beunruhigend, und sie sind noch immer einzigartig. Das obige Bild ist von 1928, ein Jahr, in dem die Beziehung zwischen de Chirico und den Surrealisten den Tiefpunkt erreichten, aber auch das Jahr, in dem de Chirico seine Erzählung „Hebdomeros“ veröffentlichte, ein beeindruckendes Werk. Wie zu sehen ist, begann de Chirico seinen Bildern Bewegung und Leben hinzuzufügen, und begann, seine Farbwerte in verschiedene pointillismus-artige zersplitterte Töne zu zerlegen, und es muß gesagt werden, daß er begann, sich selbst zu kopieren, aber es stimmt sicher nicht, daß er seiner metaphysischen Malerei untreu geworden wäre.



Poster, Postkarten oder Kalender mit Motiven von de Chirico sind ebenso selten wie Bildbände in hoher Auflage (und deshalb erschwinglich). Ein Beispiel wäre etwa Wieland Schmied: DeChirico und sein Schatten, ich muß aber gestehen, daß ich selbst dieses Buch nicht gelesen habe.

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Ich denke, Eric Kroll kann nicht mit de Chirico oder Modigliani verglichen werden. Aber da diese Seite von meinen Lieblingsdingen handelt, warum sollte ich da nicht ein Photo von Eric Kroll einfügen? Eric Kroll wurde 1946 in New York geboren und wurde berühmt durch seine Fetisch-Photographie.

Untitled

Ohne Titel [veröffentlicht 1994 in dem Bildband „Fetish Girls“, 45 KB]

Von einem technischen Standpunkt aus gesehen, fehlt dem Keuschheitsgürtel, der gelegentlich auf einigen von Krolls Bildern auftaucht, das Schloß, und er sieht etwas unvollständig aus. Aber andererseits, wen kümmert das, wenn das resultierende Bild so eindrucksvoll ist? Ich habe einige Kopien dieses Bildes im Internet gesehen, gewöhnlich mit der linken Seite des Bildes abgeschnitten, was ein bißchen schade ist, da die leere linke Seite unentbehrlich ist, um eine Stimmung der Einsamkeit zu erzeugen (die warmen, erdigen Farben tragen ebenfalls zur Einsamkeit bei; ein minderer Künstler hätte kalte Farben gewählt, um dieses Gefühl auszudrücken). Auch die Verbindung der altmodischen Brille, dem unschuldigen jungen Gesicht und dem Halsband ist ein schöner Einfall. Ich hätte ein Buch hinzugefügt, das nichts mit Sex zu tun (wie etwa ein Buch über Calabi-Yau-Räume), aber das ist ein nebensächlicher Punkt. Eine weitere nette Methode Krolls ist seine Angewohnheit, die Aufmerksamkeit der Betrachter vom interessantesten Teil des Bildes abzulenken: in diesem Fall wird die Tatsache, daß die junge Frau einen Keuschheitsgürtel trägt, teilweise dadurch versteckt, daß sie ein T-Shirt trägt, und wir brauchen einen Augenblick, ehe wir begreifen, daß sie tatsächlich einen trägt.



Der Band Eric Kroll: Fetish Girls, dem das Bild entnommen wurde, ist leider vergriffen. Vielleicht gibt es aber irgendwann eine Neuauflage, weshalb ich trotzdem einen Verweis auf die entsprechende Seite eingefügt habe.

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Max Ernst


Max Ernst wurde am zweiten April 1891 in Brühl bei Köln geboren. Er hatte ein recht bewegtes Leben: er zog zunächst nach Frankreich, später ging er in die USA (ein knappes Entkommen: er wurde beinahe von den Nazis geschnappt), zunächst nach New York; später baute er zusammen mit seiner Frau Dorothea Tanning sein eigenes Haus in Arizona. 1953 kehrte er nach Frankreich zurück. Als er starb, war er 85 Jahre weniger einen Tag alt.

Er behielt nie einen dauerhaften Stil bei, sondern experimentierte ständig mit neuen Verfahen der Bilderfindung. Er erfand oder benutzte viele Zufallstechnicken, wie etwa die Frottage, die Grattage, die Decalcomanie oder das Dripping. Neben Gemälden, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen schrieb er außerdem viele entzückende Gedichte (und arbeitete gelegentlich als Schauspieler).

Auch wenn die Bilder von Max Ernst die schönsten Bilder sind, die ich kenne, leiden sie unglücklicherweise sehr unter Reproduktionen: ihre delikate Farbgebung neigt dazu, durch die Reproduktion eine Verhäßlichung zu erleiden. Da die Bilder hier Reproduktionen von Reproduktionen sind (Scans von gedruckten Photos), ist die Lage sogar noch schlimmer. Darum, wenn sich dir, geneigter Leserin, die Gelegenheit bietet, so versuche, einen Blick auf die Originale zu erhaschen.

Die schöne Gärtnerin

„Die schöne Gärtnerin“ [1923, 42 KB]

Dieses Bild ist in Schwarzweiß wiedergegeben, da das Original verloren ging. Es wurde auf der Naziausstellung „Entartete Kunst“ in 1937 in München gezeigt und ist seither verschollen. Die Nazis fügten einen Kommentar zu dem Bild hinzu: „Verhöhnung der deutschen Frau“ was natürlich Unfug ist, aber erklärt, warum sie das Bild haßten.

Der große Wald

„Der große Wald“ [1927, 41 KB]

Eines von Ernsts Hauptthemen war der Wald. Außerdem können wir einige Vögel erkennen, ein weiteres wiederkehrendes Thema bei Ernst. Das Bild beruht auf einer Grattage, eine von Ernst erfundene Zufallstechnik.

Die Windsbraut

„Die Windsbraut“ [1927, 41 KB]

Ein weiterer wiederkehrender Topos bei Ernst sind Pferde; hier sehen wir zwei, die einen Wirbel bilden.

Collage

„Marceline-Marie verläßt den kannibalischen Baum: »Alle meine Kolibris haben Alibis, und meinen Leib decken hundert gründliche Tugenden«“ [aus dem: „Rêve d’une petite fille qui voulut entrer au Carmel“, 1929/30, 35 KB]

Ernst stellte viele Collagen her, wobei er oft alte Stiche benutzte. Er erstellte ganze Romane aus Collagen. Einer dieser Collagenromane ist der „Traum eines kleinen Mädchen, das in den Karmel eintreten möchte“. Das obige Bild zeigt eine Episode dieses Buches.

Die Lust am Leben

„Die Lust am Leben“ [1936, 52 KB]

Ein weiterer Wald, eine eher unheimliche Gegend. Im selben Jahr malte Ernst auch Bilder von Städten, die vom Wald verschlungen werden.

Die faszinierende Zypresse

„Die faszinierende Zypresse“ [1940, 55 KB]

Ernst übernahm in diesem Bild die Technik der Decalcomanie. Von nun an benutzte er dieses Verfahren oft, um die grundlegende Struktur seines Bildes festzulegen.

Das Auge der Stille

„Das Auge der Stille“ [1943/44, 56 KB]

Eine Landschaft, die ein wenig jener Landschaft ähnelt, die er für die „Versuchung des hl. Antonius“ malte, nur daß die Monster hier für einen Moment abwesend sind.

Traum und Revolution

„Traum und Revolution“ [1945/46, 31 KB]

„Traum und Revolution“, die beiden Schlüsselbegriffe der surrealistischen Bewegung. Der Künstler als Billiardspieler, sein Gemälde als eine Art Spiegel.

Der Schrei der Möwe

„Der Schrei der Möwe“ [1953, 43 KB]

Ernst schuf stets viele abstrakte Gemälde oder Gemälde, die nur einen Schritt von der Abstraktion entfernt waren. In vielen seiner späten Werke reduzierte er die figurativen Verweise auf ein Minimum, um so ein Maximum an Ausdruck zu erhalten.

Die Welt der Naiven

„Die Welt der Naiven“ [1965, 108 KB]

Ein Gemälde, das mit einem von Ernst erfundenen Alphabet bedeckt ist.

Ein in meinen Augen besonders empfehlenswerter Bildband ist Max Ernst: Die Retrospektive, dieser Bildband ist zwar einen Hauch teurer als die Bildbände von Taschen, enthält dafür aber auch viel, viel mehr Bilder. Es handelt sich um den Katalog zur Retrospektive von 1999; die Kataloge zur Retrospektive von 1985 beziehungsweise 1979 sind inzwischen vergriffen, und dieser Katalog wird sicher auch nicht ewig erhältlich sein.

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Masamune Shirow


Masamune Shirow ist das Pseudonym eines japanischen Manga-Künstlers, der am 23. November 1961 in Kobe geboren wurde. Seine berühmtesten Werke sind (bis jetzt) „Black Magic“, „Appleseed“, „Dominion“, „Ghost in the Shell“ und „Orion“. Die Scans auf dieser Seite sind den deutschen Ausgaben entnommen: sie sind Spiegelbilder der ursprünglichen japanischen Bilder (japanische Mangas werden von rechts nach links gelesen).

Major Motoko Kusanagi und einige Fuchikoma

Major Motoko Kusanagi und einige Fuchikoma

Shirow fügt seinen farbigen Zeichnungen gerne zusätzliche Strukturen hinzu. Zu beachten ist im untenstehenden Bild die metallene Oberfläche im Hintergrund und die Plasmastruktur, die das Haar und die Schuhe bildet:

Eingeweide

Eingeweide

Dies ist oft mit ausgefeilten Reflektionseffekten verbunden:

Glänzend

Glänzend

Badeanzug

Badeanzug

Bäume in der Windschutzscheibe, Glanzlichter auf dem Kleid

Bäume in der Windschutzscheibe, Glanzlichter auf dem Kleid

Eines der Dinge, die ich an seiner Arbeit am faszinierendsten finde, ist, daß Shirow zwischen verschiedenen Stufen von abstrahierten oder detaillierten Bildern wechselt, oft auf der gleichen Seite: eine grobe Skizze, ein humoristischer Cartoon steht neben einer eher realistischen Zeichnung:

Ein Gott wird wütend und detailierter

Ein Gott wird wütend und detailierter

Kusanagi wird weniger förmlich

Kusanagi wird weniger förmlich

Ich muß schon wieder träumen

Ich muß schon wieder träumen

Verblüffende zeichnerische Einfälle bilden einen Hauptbestandteil seines Werkes:

Eine Prinzessin löst sich auf

Eine Prinzessin löst sich auf

Gestörte Unterhaltung

Gestörte Unterhaltung

Die Geschichten sind manchmal wirr, mit dem üblichen pseudowissenschaftlichen oder pseudomystischen Gefasel, wie es oft in Bildergeschichten zu finden ist. Die nächsten vier Ausschnitte zeigen Variationen von Begegnungen mit dem Göttlichen:

Begegnung mit dem Göttlichen I

Begegnung mit dem Göttlichen I

Begegnung mit dem Göttlichen II

Begegnung mit dem Göttlichen II

Begegnung mit dem Göttlichen III

Begegnung mit dem Göttlichen III

Begegnung mit dem Göttlichen IV

Begegnung mit dem Göttlichen IV

Von dem pseudowissenschaftlichen Geschwätz abgesehen, ereignen sich viele komische Dinge: untenstehendend ist eine neue Art von magischen Weckern zu sehen:

Wecker

Wecker

Eine Anspielung auf „Dominion“ innerhalb von „Ghost in the Shell“:

Anna im Straßenverkauf tätig

Anna im Straßenverkauf tätig

Fast alle wichtigen Arbeiten von Shirow sind bei Feest erschienen und können über den Buchhandel oder Amazon bestellt werden. Die meiner Meinung nach bislang beste Arbeit von Shirow ist Ghost in the Shell (gibt es außerdem auch noch als Anime (Zeichentrickfilm) und als Computerspiel).

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Die Familie Hausner


Da die Hausners sich oft selbst gemalt haben, habe ich ihre Photos hinzugefügt.

Rudolf HausnerAnne HausnerXenia Hausner

Von Links nach rechts: Rudolf Hausner, Anne Hausner and Xenia Hausner


Rudolf Hausner


Rudolf Hausner wurde 1914 in Wien geboren und starb 1995. Er studierte Kunst in Wien von 1931 bis 1936 und begann (wie viele junge Künstler) in einem ziemlich epigonalen Stil zu malen, aber modern genug, um von den Nazis 1938 als "entartet" mit Malverbot belegt zu werden. 1941 wurde er Soldat der Wehrmacht, und 1942 wurde er, zusammen mit drei anderen Soldaten, in einem Blockhaus in der hohen Tatra für vier Tage eingeschneit. In diesen vier Tagen begann er die Maserungen des Holzes zu untersuchen und fand in ihr die sonderbarsten Landschaften. Später benutzte er eine Landkarte, um in ihr phantastische Bilder zu entdecken. Zurück in Wien nach dem Krieg wurde es ihm öde, ja, unmöglich, seine vor dem Krieg begonnenen Werke fortzusetzen, bis er in seinem Atelier eines seiner unvollendeten Werke fand, das auf dem Kopf stehend seinem Tatra-Blick ein neues Bild enthüllte. Später entdeckte er die Arbeiten von Max Ernst und gründete die "Wiener Schule des Phantastischen Realismus", in dem er seine Tatra-geschulte Vorstellungskraft benutze, Ansichten des Unbewußten freizulegen. In der Regel sind diese Bilder mit einer Verbindung von Acrylfarben und Harzöllasuren auf Papier, das auf Novopanplatten aufgezogen wird, gemalt. Seine Technik wird gelegentlich als altmeisterlich bezeichnet, eine Ansicht, der er stets widersprochen hat, da seine Bilder Techniken benutzen, die den alten Meistern unbekannt waren, wie die Verwendung von Spektralfarben statt Lokalfarben, oft auf pointillistische Art und Weise.

Finally!...

„Endlich! Der lange Gang liegt hinter mir - ich stehe im Freien“ [72 x 110 cm, 1992, 28 KB]


Viele Bilder Rudolf Hausner zeigen „Adam“, eine Art Selbstbildnis. Dieses hier verwendet eine Art von Weiß-heit, die in seinen Bildern sehr selten ist.

Yellow Fool’s Hat

„Gelber Narrenhut“ [60 x 52 cm, 1955, 56 KB]


Neben den Selbstbildnissen als Adam malte Rudolf Hausner sich selbst auch in einer durchgeistigteren und schlankeren Manier. Zu beachten sind die verschiedenen Malstile und Farbstrukturen innerhalb des Bildes.

Memory

„Erinnerung“ [52,5 x 73 cm, 1987, 38 KB]


Eine späte Arbeit, die einen jungen Adam und ein nicht verzerrtes Abbild des gealterten Rudolf Hausner zeigt.

Hommage a Leonardo

„Hommage à Leonardo“ [220 x 182 cm, 1977/78 and 1982-85, 76 KB]


Neben Adam ist eine weitere häufig in Rudolf Hausners Bildern anzutreffende Person eine „Anima“ genannte weibliche Figur.

Adam, the unbeloved son

„Adam, der ungeliebte Sohn“ [255 x 295 cm, 1987 - 1991, 93 KB]


In einer späteren Version des Bildes ersetzte Rudolf Hausner die selbstzerstörerische Anima durch ein freundlich schauendes Portrait von Anne Hausner. Ich bitte zu beachten, daß beide Bilder Jahre zu ihrer Vollendung benötigten.

Anne

„Anne“ [72 x 110 cm, 1991, 53 KB]


Ein weiteres Portrait von Anne Hausner.

Von Rudolf Hausner sind erhältlich eine Werkmonographie und ein Band Neue Bilder 1982-1994. Außerdem gibt es gelegentlich Bilder von Rudolf (und Anne) Hausner in der Sammlung Würth in Künzelsau zu sehen, da der Schraubenfabrikant und Mäzen Reinhold Würth viele wichtige Werke erworben hat.


Anne Hausner


Anne Wolgast wurde 1943 in Hamburg geboren. Hier studierte sie von 1963 bis 1968 Kunst und traf 1966 Rudolf Hausner. 1976 begann sie wieder zu malen, nach der Geburt ihrer Töchter Tanja im Jahr 1970 und Jessica im Jahr 1972.

Old Box

„Alte Schachtel“ [60 x 80 cm, 1989, 139 KB]


Wie zu sehen ist, übertrifft Anne Hausner noch Rudolf Hausner, was die Besessenheit von photorealistischen Details angeht.

The Bed

„Das Bett“ [70 x 100 cm, 1991, 71 KB]


Ein Hauptmotiv ihrer Arbeiten sind Strukturen jedweder Art, wie etwa Wellen, verpacktes Papier, oder Stofflaken.

Love for Geometry

„Liebe zur Geometrie“ [100 x 100 cm, 1997, 37 KB]


Ein wunderbar ironischer Titel, finde ich. Ich bitte das unvollkommene Quadrat zu beachten, das von dem Hemd gebildet wird.

Meadow I

„Wiese I“ [30 x 40 cm, 1988, 80 KB]

Meadow II

„Wiese II“ [30 x 40 cm, 1988, 76 KB]


Obwohl Landschaften nun wahrhaft nicht gerade ein neues Thema der europäischen Malerei sind, habe ich nirgends zuvor etwas wie diese fragmentierten Ansichten gesehen.

Von Anne Hausner ist der Bildband Spuren und Strukturen erschienen.


Xenia Hausner


Xenia Hausner wurde 1951 in Wien als Tochter von Rudolf Hausner und Hermine Jedlicka geboren.

Love Death

„Liebestod“ [100 x 100 cm, 1996, 60 KB]


Obwohl auch Xenia Hausner sich bemühte, Rudolf Hausners Malweise nicht zu kopieren, teilt sie seinen genauen Blick auf Dinge und Personen. Das obige Bild zeigt Rudolf und Xenia Hausner und wurde nach Rudolf Hausners Tod in 1995 gemalt.

Night of the Scorpions

„Nacht der Skorpione“ [247 x 264 cm, 1995, 47 KB]


Das Hauptmotiv von Xenia Hausners Malerei sind Portraits, wie die obige Gruppe.

Von Xenia Hausner gibt es die Bildbände Kampfzone und Liebesfragmente.


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Filippo Lippi


Filippo Lippi wurde um 1406 in Florenz geboren. Obwohl er 1421 Mönch wurde, begann er als Maler zu arbeiten. Er lebte sogar mit einer Nonne zusammen, Lucrezia Buti, und hatte mit ihr zwei Kinder: Filippino, um 1457, der selbst ein berühmter Maler wurde, und Alessandra, geboren 1465. Es scheint, als hätte er sich selbst oft in Schwierigkeiten gebracht: nicht wegen seines unzüchtigen Lebenswandels, sondern wegen finanzieller Affären. Es ist möglich, daß Papst Pius II sein Zusammenleben mit Lucrezia Buti legalisierte. Jedenfalls scheint es niemand gestört zu haben, daß er vielen Madonnen ihr Gesicht verlieh.

Adoration in the Forest

„Anbetung im Walde“ [127 x 116 cm, 76 KB]


Ein ähnliches Bild von Filippo Lippi findet sich in Florenz. Zu beachten sind die Strahlen, in Gold gemalt, mit Wellen und Flammen, die vom Vater und vom Geist zum Sohn ausgehen.

Madonna and Child

„Madonna und Kind und Geschichten aus dem Leben der hl. Anna“ [diameter 135 cm, 88 KB]


Filippo Lippi war berühmt für seine anmutigen Madonnen, ein Typ, der seine Lehrlinge Filippino Lippi und Botticelli beeinflußte und von ihnen perfektioniert wurde.

Madonna with Child and Angels

„Madonna mit dem Kind und zwei Engeln“ [95 x 62 cm, 107 KB]


Vielleicht das berühmteste Bild von Filippo Lippi. Ich bitte die Botticelli-artige Anmut der Madonna, die Leonardo-artige Landschaft im Hintergrund und den manieristischen trompe-l’œil-Effekt des gemalten Rahmens zu beachten.

Meiner Kenntnis nach gibt es im deutschsprachigen Raum nur eine einzige Einzeldarstellung zu Filippo Lippi, mit dem sinnigen Titel Filippo Lippi.


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wird fortgesetzt in:

My favorite Things, zweiter Teil



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Jan Thor
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