My Favorite Things, Zweiter Teil
Part 1 of My Favorite Things (Deutsch)
Part 1 of My Favorite Things (English)
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Ich habe diesen zweiten Teil meiner Sammlung von „My Favorite Things“ erst einmal nur auf Deutsch verfaßt. Du, die du dies liest, wirst darüber vermutlich nicht all zu bestürzt sein, da du ja anscheinend des Deutschen mächtig bist. Als ich anfing, den ersten Teil zusammen zu stellen, dachte ich, naja, es geht hier ja hauptsächlich um Bilder, und ein paar Kommentare dazu, die werde ich mir notfalls schon auch auf Englisch aus den Fingern saugen können. Ich habe zunächst die Texte der englischen Version verfaßt und diese dann ins Deutsche übersetzt. Dabei hatte ich aber immer das Gefühl, wie mit mehreren Kieselsteinen im Mund zu sprechen, einige Banalitäten und Platitüden zu Leben und Werk der Künstler abzusondern gelang mir ohne Mühe, aber all das blieb nichtssagend und unverbindlich und klang in der Übersetzung ins Deutsche ganz schrecklich. Deshalb im folgenden die Kommentare zu den Bildern erst einmal nur in der Sprache, in der ich mich halbwegs flüssig ausdrücken kann. Bei Gelegenheit folgt dann die englische Fassung, eventuell als gekürzte Version, nach.
Jacek Malczewski
Über Jacek Malczewski weiß ich so gut wie nichts. Seine Bilder habe ich das erste Mal in Paris im Musée d’Orsay gesehen, und dort haben sie mich so
beeindruckt, daß ich mir einen Bildband über ihn gekauft habe. Dabei hatte ich die Wahl zwischen zwei verschiedenen Bildbänden, ich habe mich für den Bildband mit den etwas
besseren Farbreproduktionen entschieden. Freilich hätte ich auch beide Bildbände kaufen können, aber abgesehen davon, daß meine finanziellen Mittel nicht unerschöpflich sind
(ich muß ja auch noch Bücher kaufen, die teilweise nur noch antiquarisch erhältlich sind, und außerdem CDs), mußte ich alle Bildbände, die ich mir gekauft habe, mit
der Eisenbahn zurück nach Hause transportieren, und das ist selbst dann nicht lustig, wenn ich jeden Tag nur zwei oder drei Bildbände kaufe. So habe ich also von Malczewski nur einen
Bildband erworben, und zwar den mit den etwas besseren Farbreproduktionen. Nur ist der Text zu diesem Bildband leider auf polnisch, und ich kenne niemanden, der polnisch spricht. Da der Bildband noch
nicht einmal eine übersichtliche Zeittafel enthält (es handelt sich um den Band „Jacek Malczewski“, von Agnieszka Ławniczakowa, erschienen Kraków 1995), konnte ich
ihm nicht einmal Geburts- und Todestag entnehmen. Das Internet ist in dieser Hinsicht übrigens auch ziemlich nutzlos; es ist zwar kein Problem, mit Hilfe des Internets die Geburtstage
sämtlicher amerikanischer Vorabendserienschönheiten herauszufinden, aber die wirklich nützlichen Dinge sind dort nicht zu eruieren. Zumindest bislang. Denn von nun an sind auch diese
Daten im Internet zu finden:
Malczewski, Jacek
poln. Maler des neoromantischen Symbolismus, * 15.7.1854 in Radom, Polen, † 8.10.1929 in Krakau. Malczewski studierte an den Kunstschulen in Krakau und Paris. Als Themen bevorzugte
er zunächst brauntonige Genreszenen, dann ging er zu Historienbildern mit nationalliterarischen Themen über und unterstützte den Befreiungskampf als Mitglied des „Jungen
Polen“. Seine Zyklen und Gemälde der neunziger Jahre, so MELANCHOLIE und IRRKREIS (1894 bzw. 1895/97, beide Posen,
Muzeum Narodowe) wirken surrealistisch.
Über die zunächst bevorzugten brauntonigen Genreszenen kann ich wenig sagen, da ich hauptsächlich seine Werke aus der zweiten Hälfte seines Lebens kenne. Die wirken in der Tat surrealistisch, was aber doch wohl eine kleine Verwechslung darstellt: es handelt sich nicht selten um Allegorien, um symbolisches und symbolistisches. Das folgende etwa wäre ein Beispiel:

„Polonia“ [145 x 98,5 cm, 1914]
Hier sehen wir eine junge Frau, die kokett-schüchtern mit einem wenig bekleideten, stattlichen Herrn sowie mit einem weiteren, etwas verhüllterem, herumschäkert. Der Titel verrät uns, daß es sich bei der Frau wohl um Polen handeln muß, und das alles wird ganz sicher etwas zu bedeuten haben und stellt vermutlich eine ernste und hochmoralische Warnung an die Zeitgenossen dar, aber surrealistisch kann das eigentlich nur auf jemanden wirken, der die verwendete Symbolsprache nicht zu entziffern vermag.

„W tumanie“ [78 x 150 cm, 1893/1894]
Was freilich Malczewski interessant und einzigartig macht, das ist, neben dem ganz besonderen Licht, das auf seinen Bildern herrscht, eine Mischung aus trübem Regenwetter und grellstem Sonnenschein, die Art und Weise, wie die symbolischen und mythologischen Figuren durch die Alltagswelt spazieren. Da kann es passieren, daß sich Thanatos, der Todesbote, und der gewöhnliche Briefbote an der Haustür die Klinke in die Hand geben, zwischen geschäftigen Bauern und Schnittern bewegt sich der Schnitter Tod, Dämonen lugen nachbarschaftlich über den Gartenzaun, und in unserem Bild sehen wir eine reizende sommerliche Landschaft mit Gefesselten.

„Chrystus i Samarytanka“ [73 x 92 cm, 1911]
Es sieht bedauerlicherweise so aus, als sei Malczewski ein hochreligiöser Mensch gewesen. Aufgrund mangelnder Polnischkenntnisse bin ich mir hier freilich nicht so recht sicher: neben Jesus taucht öfter Thanatos, der Tod der griechischen Mythologie, bei Malczewski meist eine geflügelte stämmige Matrone mit Sense, auf. Hier sehen wir Jesus am Brunnen im Gespräch mit der Samariterin.

„Autoportret w zbroi“ [54 x 65 cm, 1914]
Auf sehr vielen Bildern hat Malczewski sich selbst protraitiert: mit der Staffelei, zwischen zwei Modellen, zusammen mit Christus und einigen Skeletten, wie er sich gerade angeregt mit einer Harpyie unterhält, oder, wie hier, in einer Ritterrüstung.

„Melancholia“ [139 x 240 cm, 1890 - 1894]

„Błędne koło“ [174 x 240, 1895 - 1897]
Schließlich haben wir noch die „Melancholie“ und den „Irrkreis“ (in einer anderen Übersetzung handelt es sich um den „Teufelskreis“. Da diese beiden Bilder als Doppelseiten in dem erwähnten Bildband abgedruckt waren, bitte ich, die schlechte Qualität der hier gezeigten Reproduktionen zu entschuldigen. Vom „Irrkreis“ gibt es hier auch eine knickfreie, allerdings etwas kleinere Fassung. Bei diesen beiden Bildern ist durchaus vorstellbar, daß die Surrealisten sich für sie hätten interessieren können, wenn sie denn von ihnen gehört hätten. Haben sie aber wohl nicht.
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Michael Triegel
Vergleichbare Sprachschwierigkeiten gibt es bei Triegel nicht. Michael Triegel wurde am 13.12.1968 in Erfurt geboren, einer Gegend Deutschlands, in der beinahe deutsch gesprochen wird. Wie Malczewski malt auch Triegel (neben Landschaftsskizzen und sonderbaren Stillleben) vor allem mythologische und religiöse Themen. Aber anders als Malczweski muß Triegel dazu nicht unbedingt neue malerische Mittel erfinden, wo doch die Vergangenheit bereits einen so reichen Fundus an Stilen bereitstellt. So etwa im folgenden:

„Christine“ [92,5 x 45,5 cm, 1995]
In diesem Fall verweist der Stil auf Italien und das späte sechzehnte Jahrhundert, wenn wir unbedingt Wert darauf legten, könnten wir das Datum und den Entstehungsort auch noch genauer eingrenzen. Dabei ist es in Wahrheit 1995 und in Leipzig entstanden, und Christine ist eine reale Frau der Gegenwart, die in den Triegelschen Bildern des öfteren auftaucht, etwa auf Goldgrund, wenn Triegel auch gelegentlich Menschen und Gesichter, auch Charakterstudien, frei erfindet.

„Anthropisches Prinzip“ [230 x 122 cm, 1996/97]
Ebenfalls abweichend von Malczewski scheint Triegel seine religiösen Bilder nicht übermäßig ernst zu nehmen. Hier haben wir eine heilige Jungfrau, die kopfüber ins Bild stürzt und noch gar nicht ganz fertig gemalt ist. Das Jesuskind schaut zu Recht erschrocken angesichts des Messers, mit dem die Mutter herumspielt, wie schon die „Madonna in der Werkstatt“ (während die „Madonna mit Lamm“ das Agnus Dei mit einem Fleischermesse bedroht). Der Künstler selbst, inmitten einer sauber gezeichneten Zentralperspektive, versucht uns mit wichtigen Gesten etwas klar zu machen, ist aber leider ebenfalls nicht zu Ende gemalt und auch nicht korrekt in der Bildmitte plaziert.
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Jean-Auguste-Dominique Ingres
(nebst ein bißchen Jacques-Louis David)
Warum ausgerechnet Ingres, obwohl doch David oder Delacroix die bedeutenderen Maler sind? Nun, da dies eine Sammlung meiner Lieblingsbilder ist, steht es mir frei, hemmungslos willkürlich vorzugehen. Delacroix mag ich nicht, weil er sich im Streit zwischen Farbe und Linie eindeutig auf die Seite der Farbe stellt und seine Bilder mir zu bunt und zu matschig sind. David dagegen verfällt zumeist in das andere Extrem, alles muß ihm ganz klar und klassisch sein, und obwohl das gelegentlich auch seinen Reiz haben kann,

Jacques-Louis David: „Die Sabinerinnen“ [385 x 522 cm, 1799]
wirken seine Bilder meist steril, leblos und künstlich, und am besten ist er dann, wenn seine Bilder unvollendet bleiben,

Jacques-Louis David: „Portrait Juliette Récamier“ [174 x 224 cm, 1800]
wie hier beim Bildnis der Mme Récamier, das unvollendet blieb, weil das Modell irgendwann mit der langsamen Malweise des Künstlers die Geduld verlor und zu keinen weiteren Sitzungen mehr erscheinen wollte. Einer Legende zufolge ist dieses Werk übrigens auch mit Ingres verbunden, der, als ein Schüler Davids, gelegentlich in der Pose der abwesenden und schwierigen Récamier David Modell saß. Ingres jedenfalls steht in der Auseinandersetzung zwischen Farbe und Linie eindeutig auf der Seite der Linie, freilich versucht er nicht, so zu tun, als habe er noch nie von Sfumato oder ähnlichen seit dreihundert Jahren bekannten Dingen gehört, was die Davidschen Bilder so sonderbar aussehen läßt. Das allein würde noch nicht rechtfertigen, ihn auf dieser Seite zu erwähnen. Interessant ist an ihm noch zweierlei: die Verwendung von Collage und Recycling, die mich an meine eigenen Arbeitsmethoden erinnert. Schauen wir uns an, wie das funktioniert (ach ja, geboren wurde Ingres am 29.8.1780 in Montauban in Südfrankreich, gestorben ist er am 14.1.1867 in Paris).

„Das Türkische Bad“ [Ø 108 cm, 1863]
Es handelt sich hier um ein recht bekanntes Bild, ein berühmtes Beispiel einer europäischen Phantasie über Harem oder Bad im geheimnisvollen und wolllüstigen Orient. Die schöne Rückenansicht der vorderen Badenden hat Ingres aus einem eigenständigen Bild übernommen:

„Große Badende“ [146 x 97,5 cm, 1808]
Es handelt sich hier um einen der Fälle, in denen die Parodie oder Hommage bekannter geworden ist als das Original, hier die Photographie von Man Ray. Zu beachten ist, wie die Badende bis in die Falten des Kopftuches identisch von einem Bild in das andere kopiert wurde.
Als Vorlagen seiner Bilder benutzte Ingres gerne und bedenkenlos verschiedene zeitgenössische Stiche und Illustrationen, die er übernahm und abwandelnde: hier einen Stich einer ins Bad gehenden türkischen Frau, das Ingres für ein Detail seines Bildes benutzt. Für Landschaften hat Ingres die Technik der Camera Obscura verwendet, um so Landschaftsskizzen zu erhalten, die sich später als Hintergründe für Portraits verwenden ließ.

„Odaliske mit Sklavin“ [Zeichnung, 1858]

„Odaliske mit Sklavin“ [72,4 x 100,3 cm, 1839]

„Odaliske mit Sklavin“ [76 x 105 cm, 1842]
Ein weiteres orientalisches Sujet (eine Odaliske ist übrigens eine weiße Sklavin in einem Harem). Zunächst haben wir die Zeichnung als Vorstudie, dann das vollendete Bild. Drei Jahre später entsteht eine weitere Fassung, diesmal wird der Raum nach hinten zu einer Landschaft geöffnet, mit deren Ausführung Ingres seinen Assistenten Paul Flandrin beauftragte. Auch sonst nimmt Ingres einige Verbesserungen vor, so muß etwa die Odaliske nicht mehr auf dem kalten Fließenboden ruhen, sondern darf sich auf einem Teppich räkeln, das Gefäß, das sich schlecht vor dem Geländer abhob, muß einem Paar Pantöffelchen weichen, am Fuß der Odaliske darf sich das Tuch etwas üppiger bauschen, anderes wird unverändert übernommen. Von anderen Bildern kennen wir auch fünf verschiedene große Fassungen, Skizzen und Vorstudien nicht mitgerechnet.

„Portrait Vicomtesse Louise-Albertine d’Haussonville“ [131,8 x 92 cm, 1845]
Zeitweilig wurde Ingres zu einem gefragten Modeportraitmaler, der dutzendweise Comtessen und Baronessen malen durfte/mußte. Er selbst sah sich jedoch ganz anders, nämlich als bedeutenden Historienmaler, und Portraits als lästige Brotarbeit von minderem Rang.

„Roger Befreit Angelika“ [145 x 187 cm, 1819]
Nicht unbedingt ein Historienbild, sondern eine Szene aus dem Orlando Furioso zeigt dieses Gemälde. Vielleicht nicht unbedingt Ingres’ bestes Bild, interessant aber aufgrund seiner Thematik (siehe auch meinen Aufsatz über Ariost und den Orlando Furioso). Das Thema „Roger befreit Angelika“ bildet eine sonderbare Parallele zu dem sehr viel besser belegten, nahezu analogen Thema „Perseus befreit Andromeda“.

„Das Goldene Zeitalter“ [46,4 x 61,9 cm, 1862]
Mein Lieblingsbild von Ingres, allerdings nicht unbedingt besonders typisch und repräsentativ für sein Gesamtwerk. Gezeigt wird eine wunderschöne Alternative, wie die Welt auch sein könnte, wenn sie nicht so wäre, wie sie nun einmal ist, voller Lanzen und Schiffen und den Schreien von Sterbenden. Ich bitte insbesondere die beiden Paare mit Kind und Hund beziehungsweise Häslein zu beachten: sind sie nicht niedlich? Es handelt sich hier übrigens um die verkleinerte Fassung als Einzeltafel eines großen Wandgemälde, entstanden zwanzig Jahre nach dem Wandgemälde. Auch hier wieder hat Ingres zahlreiche Verbesserungen gegenüber der Erstfassung angebracht, abgesehen davon, daß die ungewohnte Wandmalerei nicht unbedingt das Medium ist, das Ingres zu seinen höchsten Meisterleistungen anregte.
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Alberto Magnelli
Alberto Magnelli wurde am 1.7.1888 in Florenz geboren und starb am 20.4.1971 in Paris. Er gehört zu den nicht ganz so bekannten Malern der klassischen Moderne, der auf verschiedenen Umwegen zur Abstraktion gelangte.
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„Nu Divisé“ [180 x 100 cm, 1917]
Hier sehen wir eines der noch-nicht-ganz-abstrakten Bilder, einen von mehrere zweigeteilten Akten.

„Pierres Nº 1“ [115 x 89 cm, 1933]
Auch diese reizende Sammlung verschiedener Steine ist noch nicht ganz frei von gegenständlichem.
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„Conciliabules distraits“ [100 x 130 cm, 1935]
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„Ardoise Nº 74“ [18 x 26,5 cm, 1942]

„Vision inconfortable“ [97 x 130 cm, 1947]
Zu beachten ist, wie Magnelli in vielen Bildern die Linien, die Farbflächen begrenzen, selbst wieder farblich gestaltet.
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wird fortgesetzt...
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4.11.2001
Jan Thor
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jan@janthor.de