"Nun, wie geht es dir, mein lieber Oin-Oin, hast du viel Spaß gehabt mit deiner Prinzessin, ist sie vielleicht gar schon in anderen Umständen, und hast du sie schon bewegen können, den rechten Glauben anzunehmen?" fragte Chlwsknsk seinen Freund, und diesem schien, er frage mit einem hinterhältigen Lächeln. "Schwanger ist sie noch nicht, und Muslimin ist sie auch noch nicht, mit beidem ist es mir nicht gerade eilig, ehrlich gesagt. Aber gefickt habe ich sie, seit wir an Land gegangen sind, beinahe jede Nacht, wenn du das wissen willst, und ihr nackter Körper hält, was ihr bekleideter Körper verspricht: sie ist mit Abstand die schönste Frau, die ich je gesehen habe." "Nun, meine Beute war weniger beeindruckend: ich fand in der Truhe ein paar Unterhosen und Büstenhalter der Prinzessin, aber da sie noch nicht einmal getragen waren, hatte ich Mühe, mich an diesem armseligen Ersatz aufzugeilen. Außerdem fand ich einen Schlüssel, wußte aber nicht, wozu dieser Schlüssel gehört, und mit einem Schlüssel allein läßt sich wenig anfangen. Ich habe schon überlegt, ob ich ihn wegschmeißen sollte, dann aber habe ich mir gedacht, vielleicht wüßtest du, was mit diesem Schlüssel anzufangen ist." "Vielleicht. Kann ich diesen Schlüssel einmal sehen?" "Gerne, ich trage ihn immer an einer goldenen Kette um den Hals, hier ist er." "Hm. Ich habe keine Ahnung, wozu dieser Schlüssel gut sein sollte. Am besten, du gibst mir den Schlüssel einmal mit. Vielleicht finde ich in meinem Teil der Beute irgend etwas, was dieser Schlüssel öffnet." "Ja, gibt es denn in deinem Teil der Beute irgend etwas verschlossenes, das du noch nicht geöffnet hast?" "ich weiß es nicht genau, ich habe noch gar nicht alle meine Beutestücke durchgemustert." "Merkwürdig. Mir hat man erzählt, du hättest deinen Teil der Beute, soweit er aus beweglichem Gut bestand, gleich nach deiner Ankunft vollständig verkauft." "Ein Irrtum offensichtlich: einen Teil mit eher unverkäuflichem Plunder steht noch bei mir daheim herum." "Ach, mir ist gar nicht aufgefallen, daß bei der Beute so viel unverkäuflicher Plunder dabei war. Ich habe jedenfalls meinen Teil der Beute längst verkauft, und nicht ein Stück davon erwies sich als unverkäuflicher Plunder. Das ist doch merkwürdig, und es tut mir leid, daß du es mit deinem Teil der Beute so sehr viel schlechter getroffen hast." "Nun, sei dem, wie es sei: möchtest du, daß ich mir den Schlüssel ausborge, und nachschaue, ob ich einen Bestimmungszweck für diesen Schlüssel entdecken kann, oder verzichtest du auf meine Hilfe in diesem Fall?" "Weißt du, um ehrlich zu sein, ich habe da eine Theorie, wozu dieser Schlüssel gut sein könnte. Ich habe einmal davon gehört, die Franken verwahrten ihre Weiber in eisernen Gürteln, und habe selbst einmal ein solches Weib in einem eisernen Gürtel gesehen. Und als wir damals die Prinzessin Isabel fanden, da schien es mir, ihr Kleid beule sich auf eine Art und Weise aus, die sich am besten dadurch erklären ließe, wenn ich annahm, auch sie trage so einen eisernen Gürtel oder besser eiserne Unterhose. Um ganz sicher zu gehen, fühlte ich nach, du hast es wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Dann dachte ich mir: wie haben die ganze Ladung durchsucht und keinen Schlüssel gefunden, es wäre auch sinnlos, den Schlüssel in eine Truhe zu legen, die Truhe seinerseits mit einem Schloß zu verschließen und diesen zweiten Schlüssel irgendwo zu verstecken. Der einzige Ort, an dem sich der Schlüssel befinden kann, muß die versiegelte Hochzeitstruhe sein. Also richtete ich es so ein, daß du zwar die Prinzessin bekamst, ich aber die Truhe und damit den Schlüssel. Nun sag einmal, habe ich recht, trägt Isabel wirklich einen solchen Keuschheitsgürtel?" "Ja." "Und ist es dir gelungen, ihn aufzubrechen?" "Nein, das verdammte Ding liegt so eng an, daß es unmöglich ist, es ihr mit gewöhnlichen Schmiedewerkzeugen zu entfernen, ohne sie selbst ernsthaft zu verletzen. Ich habe, seit ich diesen Gürtel entdeckte, über kaum etwas anderes nachgedacht als darüber, wie ich ihn entfernen könnte, aber es scheint absolut unmöglich zu sein, ohne den Originalschlüssel zu verwenden. Und was das schlimmste ist: dieser Keuschheitsgürtel beschützt nicht nur ihren rosenduftenden Schoß, sondern auch ihren unwiderstehlichen Arsch, und sowohl ihre vordere als auch ihre hintere Vase ist mir verwehrt." "Dann bleibt dir ja wenigstens noch ihr korallenlippiger Mund, um dich zu trösten." "Ach! Das dachte ich zuerst auch. Aber sie schrie zur heiligen Maria, die die ungläubigen Franken in ihrem Wahn für die Mutter Gottes halten -Preis sei Ihm, der nicht stirbt und der weder Eltern noch Kinder hat! sie werde mir meinen Schwanz abbeißen, wenn ich derartiges versuchen sollte. Und obwohl ich ihr schwor, in diesem Fall werde ich ihr den Kopf abschlagen, gebärdete sie sich derartig toll, rief die heilige Ursula und elftausend Jungfrauen an, schrie und tobte, daß ich beschloß, es lieber nicht auf einen Versuch ankommen zu lassen." "Armer Oin-Oin. Dann hast du ja noch überhaupt nicht mit ihr geschlafen, und mich hast du angelogen, als du vorhin sagtest, du habest sie beinahe jede Nacht gefickt." "Naja, ihr Busen ist zum Glück so groß und so üppig, daß es mir leicht fällt, mein Glied zwischen ihren Brüsten zu reiben und ihr auf diese Art beizuwohnen -nachdem ich sie vorher gefesselt habe, damit sie still hält. Und in die Knie und die Achselhöhlen habe ich versucht, sie zu ficken, und ihre Füße habe ich auf eine Art und Weise zusammengebunden, daß sie die Form eines weiblichen Schoßes nachahmten, aber das taugt alles nicht wirklich. Manchmal habe ich mir geholfen, indem ich sie auf eine andere Sklavin legte und in den Schoß der anderen eindrang, während meine Hände und Lippen an ihrem Busen hingen. Das alles wären vielleicht sogar ganz vergnügliche Spielchen, wenn ich freiwillig und aus eigenem Entschluß zu diesen Mitteln griffe, aber so, gezwungenermaßen, erscheinen sie mir nur als Ersatz für das Eigentliche, das ich nicht haben kann." "Dann wärst du also eventuell bereit, sie mir zu verkaufen?" "Sie dir zu verkaufen? Niemals. Selbst wenn ich sie nicht ficken kann, ich habe sie so lieb gewonnen, und sie ist so schön, daß ich sie um nichts in der Welt hergebe."
Chlwsknsk versuchte noch eine Weile, seinen Freund zu überzeugen, daß er ihm Isabel verkaufen sollte, dieser wollte sich aber partout nicht überreden lassen, und am Ende schieden sie beinahe im Streit, und jeder der beiden überlegte insgeheim, ob er dem anderen nicht mit Gewalt nehmen sollte, was ihm fehlte. Und weil sie einander eben genau diesen Gedanken unterstellten, begannen sie, die Wachen ihre Palastes zu verstärken und sich gegen einen Überfall des anderen zu rüsten.
Soweit war die Angelegenheit gediehen, als sie einem jungen Burschen namens Ali zu Ohren kam. "Wie, eine reizende, blühende Prinzessin soll als alte vertrocknete Jungfer sterben, bloß weil zwei alte Schurken und Halsabschneider sich nicht einig werden können!" rief er, und er beschloß, die Prinzessin müsse sein werden. Also ging er am nächsten Morgen zu Chlwsknsk und sagte zu ihm: "Hochverehrter Herr. Ich habe gehört, ihr könnt nachts nicht mehr ruhig schlafen, weil ihr immerzu von dem Gedanken an die Prinzessin Isabel gequält werdet. Gleichzeitig sorgt ihr euch, euer Freund Oin-Oin könnte euch überfallen. Gebt mir hundert tausend Dinare, und ich will euch Isabel beschaffen, und dazu noch Sicherheit von eurem Freund Oin-Oin. Ich werde mich bei Oin-Oin einschleichen, sein Vertrauen gewinnen und die Prinzessin entführen, und vorher will ich ein Versteck für euren Schlüssel konstruieren, so daß ihn Oin-Oin niemals finden kann." Chlwsknsk ging auf diesen Vorschlag ein, und Ali baute einen Schrein, in dem Chlwsknsk den Schlüssel versteckte. Dann baute Ali noch weitere Befestigungsmauern und Türme und Schanzen und Gräben, und während dieser Bauarbeiten nahm er einmal den Schlüssel heimlich aus seinem Versteck und drückte ihn in ein Stück Wachs. Dann ging er zu Oin-Oin und sagte: "Hochverehrter Herr. Ich habe gehört, die Liebe zu der Prinzessin Isabel macht euch ganz krank, so daß euch kein Bissen mehr munden will, und gleichzeitig sorgt ihr euch, Chlwsknsk möge vielleicht einen Anschlag auf euch planen. Gebt mir hundert tausend Dinare, und ich will euch den Schlüssel besorgen, nachdem ihr euch so sehr sehnt." Oin-Oin willigte ein, und Ali erklärte Oin-Oin seinen Plan: "Ich habe zwar Chlwsknsks Vertrauen erworben, aber den Schlüssel zeigt er nicht einmal seinen engsten Vertrauten, und er hat ihn, wie ich zuverlässig weiß, an einem uneinnehmbaren Ort versteckt. Es hilft also nichts, wir müssen also zu einer List greifen. Würde Chlwsknsk glauben, er habe die Prinzessin in seiner Gewalt, dann würde er den Schlüssel aus seinem Versteck holen, und dann hätte ich sicher die Möglichkeit, einen Abdruck des Schlüssels vorzunehmen, und mit diesem Schlüssel könntet ihr euch dann endlich der Prinzessin erfreuen. Freilich nehme ich nicht an, ihr würdet einwilligen, Isabel selbst in die Hände Chlwsknsks fallen zu lassen. Doch es genügt, wenn ihr eine von euren Sklavinnen so verkleiden laßt, daß sie Isabel möglichst ähnlich sieht. Ich würde dann diese Sklavin zu Chlwsknsk bringen, ihm melden, ich habe Isabel entführt, da von den Dienern niemand weiß, wie Isabel aussieht, und sie nur die Beschreibung ihres Herren kennen, würde niemand den Betrug bemerken, und Chlwsknsk würde seinen Schlüssel aus dem Versteck holen, und wenn er dann merkt, daß ich ihm die Falsche gebracht habe, bin ich längst mit dem Schlüssel oder wenigstens einen Abdruck bei euch." Oin-Oin erklärte sich mit dem Plan einverstanden. Ali ergänzte: "Freilich muß die fragliche Sklavin zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit Isabel besitzen, und es darf auch nicht irgend eine Hasenherzige Sklavin sein, sondern es muß eine Frau sein, die Mut genug für dieses Unternehmen besitzt. Am besten wäre es, ich könnte selbst diese Sklavin aussuchen, denn ich weiß am besten, welche Beschreibung Chlwsknsk seiner Dienerschaft gegeben hat und welche Art von Frau sie erwarten, und ich würde auch gerne selbst die Frau aussuchen, mit der zusammen ich mich in eine solche Gefahr begeben soll." "Nun, mein Harem steht dir offen. Suche dir diejenige aus, welche dir am geeignetsten erscheint."
Also ging Ali in den Harem des Oin-Oin und fragte dort: "welche von euch ist Isabel?". Eine der Damen antwortete ihm, und er überzeugte sich selbst, daß es tatsächlich diejenige war, die einen Keuschheitsgürtel trug. Im übrigen war es ihm einigermaßen egal, ob sie nun Isabel oder eine andere war, als er sie sah: denn sie schien ihm auf jeden Fall die schönste von allen Frauen zu sein, und er hätte sie auf jeden Fall gewählt. Er sagte zu ihr: "Hör mal, wenn du willst, kann ich dich aus diesem Palast und auch aus diesem Keuschheitsgürtel befreien. Du müßtest mich dann zwar heiraten und unseren Glauben annehmen, aber ich bin kein ganz armer Mann, tatsächlich besitze ich zweihundert tausend Dinare, genug, um einem Mann und seiner Frau ein gesichertes Leben zu ermöglichen. Jedenfalls scheint es mir besser, du heiratest mich, als daß du hier bei diesem alten Piraten versauerst. Schließlich hat Gott Mann und Frau erschaffen, damit sie sich aneinander erfreuen, und es gibt kein Mönchstum im Islam. Also, wie ist es, willst du meine Frau werden und dich von mir befreien lassen?" Isabel aber fand, daß Ali ein wohlaussehender Bursche war, der verständig sprach und mit dem, was er sagte, gewiß recht hatte, und es gab keinen Grund anzunehmen, König Marke, den sie ja eigentlich hätte heiraten sollen, sei eine bessere Wahl gewesen, also mußte sie nicht lange überlegen, wie sie sich entscheiden sollte. Daraufhin schminkte Ali sie, so daß sie ein bißchen wie Isabel, ein bißchen aber auch wie nicht mehr Isabel aussah, und legte einen Schleier über ihr Haupt. Dann führte er sie zu Oin-Oin und sagte: "Sieht sie nicht ganz genauso aus wie Isabel? Gewiß, die Nase ist vielleicht etwas zu groß, die Beine etwas zu plump, und wenn sie spricht, ist es nur ein Quäken, aber so weit menschliche Kunst reicht, habe ich sie nun Isabel ähnlich gemacht." Und da alle Menschen nur sehen, was sie glauben, glaubte auch Oin-Oin, die, die da vor ihm stand, sei gar nicht wirklich Isabel, und er wollte sich sogar einbilden, ihre Nase sei tatsächlich ein wenig zu groß und ihre Beine etwas plumper als die von Isabel, obwohl Nase und Beine nicht im geringsten verändert waren. "Tatsächlich, ein wahres Wunder hast du da vollbracht, Ali. Mich selbst könntest du so zwar nicht täuschen, aber jeder andere muß diese da unfehlbar für Isabel halten. Viel Glück nun." Und Ali und Isabel verließen den Palast und machten sich auf dem schnellsten Weg auf zu einer weit entfernten Stadt. Unterwegs holte Ali den Schlüssel hervor, den er sich bei einem Schmied nach dem Wachsabdruck hatte machen lassen, öffnete den Keuschheitsgürtel und nahm Isabel das Mädchentum. Dann kamen sie schließlich in Bagdad an, und Ali wurde dort ein angesehener Bürger, Isabel aber und Ali gewannen einander lieb und bleiben für den Rest ihres Lebens glücklich zusammen.
Oin-Oin aber bemerkte natürlich den Raub Isabels, und er glaubte, dieser Anschlag sei von Chlwsknsk ausgegangen, der alles abstritt. So verfeindeten sich die beiden endgültig, sie heuerten Krieger an und überfielen sich gegenseitig, bis sie schließlich von ihren Spionen, die sie beim jeweils anderen eingeschleust hatten, überzeugt wurden, daß keiner von ihnen Isabel besaß. Daraufhin stellten sie ihre Feindseligkeiten ein, die den größten Teil ihres Vermögens verschlungen hatten, aber zu ihrer alten Freundschaft konnten sie auch nicht mehr zurückfinden. Von Geldsorgen geplagt, zogen sie beide erneut auf Piratenfahrt, nun aber zum ersten Mal getrennt voneinander, und es schien, als habe das Glück sie verlassen, seit sie sich getrennt hatten. Oin-Oin wurde gleich auf der ersten Fahrt von einer spanischen Schiffsbesatzung gefangengenommen, die den Korsaren-Korsar für einen gewöhnlichen Korsaren hielten und ohne viel Umschweife enthaupten ließen. Chlwsknsk verlor auf seiner ersten Fahrt in einem schlimmen Sturm sein Schiff und konnte nichts als das nackte Leben retten, eine Zeitlang irrte er als Bettler umher, versuchte sich dann als Räuber auf dem Land in einer Bande durchzuschlagen, wurde aber bei diesem Geschäft, von dem er nichts verstand, gleich beim ersten Raubzug erwischt, und zur Strafe wurde ihm die Hand abgehackt. Später erfuhr er, Omar sei von Aaron dem rechtgläubigen hoch geehrt worden und erhalte eine ansehnliche Staatspension.
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