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Er glaubte nämlich, die Erkenntnis jeder Kleinigkeit, also zum Beispiel auch eines sich drehenden Kreisels, genüge zur Kenntnis des Allgemeinen.
Franz Kafka, Der Kreisel
Abschweifungen sind unleugbar der Sonnenschein - das Leben, die Seele der Lektüre - man nehme sie zum Beispiel aus diesem Buche - so könnte man ebensogut das ganze Buch mitnehmen - auf jeder Seite desselben würde ein kalter ewiger Winter herrschen; man gebe sie dem Schriftsteller zurück - und er schreitet daher wie ein Bräutigam - bietet allen seinen Gruß, bringt Mannigfaltigkeiten herein und verhindert, daß der Appetit abhanden kommt.
Lawrence Sterne, Trsitram Shandy, I, 23
Da jegliches mit jedem zusammenhängt, das Universum eine einzige große Wellenfunktion ist und vermutlich jeder jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der mich kennt, läßt sich das ganze Universum von meinem grünen Badeanzug ausgehend erklären.
Wenn wir jemanden kennenlernen, beginnen wir, uns ein Bild von ihm zu machen, ihm im Geist bestimmte Eigenschaften beizulegen, ihn in bestimmte Kategorien einzuteilen, etwa, indem wir sagen, diese oder jene bestimmte Person sei intelligent oder einfältig oder ähnliches. Ein solches Urteil mag sich auf bestimmte konkrete Begebenheiten stützen, in denen diese Person imstande war, ein bestimmtes Problem zu lösen oder einen passenden Vorschlag zu machen oder dergleichen. Was wir also wirklich wissen, ist, daß in einer bestimmten Situation das-und-das geschehen ist. Eine bestimmte Eigenschaft, wie Intelligenz (oder Faulheit oder Jähzorn oder Unpünktlichkeit) meint aber nicht ein solches konkretes Ereignis, sondern eine Potentionalität: daß dieser Mensch in einer ähnlichen Situation sich ähnlich verhalten könnte. Eine solche Potentialität anzunehmen und mit ihr zu operieren mag Vorteile haben ("oh, ich rechne nicht damit, daß sie pünktlich kommt, denn sie neigt zur Unpünktlichkeit"), aber was für seltsame Wesen sind diese Potentialitäten? Wir können sie nicht mit einem Induktionsschluß erschließen, aus dem einfachen Grund, daß wir überhaupt nichts mit Hilfe von Induktionsschlüssen erschließen können (ein einfaches Gegenbeispiel: alle meine Vorfahren in mütterlicher Linie hatten wenigstens eine Tochter, also kann ich beliebig viele Instanzen dafür anführen, daß es beliebig sicher wahrscheinlich ist, daß auch ich mindestens eine Tochter gebären werde; es lassen sich einige Epizykel in die Theorie der Induktionsschlüsse einbauen, um diesem Gegenbeispiel auszuweichen, die freilich die Theorie nicht schöner aussehen lassen), aber das ist vielleicht nur ein simples technisches Problem: wir vermuten, jemand sei intelligent oder unpünktlich, und weitere Vorfälle korrobieren diese Vermutung. Trotzdem, auch ein Mensch, den wir für intelligent oder unpünktlich halten, kann sich töricht oder pünktlich verhalten: es scheint, was wir den Menschen als ihr Sosein zuschreiben, ist nur eine sehr oberflächliche Beschreibung für ganz andere Mechanismen, die unter diesen ungefähren Beschreibungen verborgen sind. Mit diesen Beschreibungen orientieren wir uns, aber sie beschreiben nicht, was wirklich passiert.
"Was für schöne Augen du hast", sagt einer, und heimlich denkt er vielleicht, "was für einen schönen Busen sie hat", aber das traut er sich nicht zu sagen, denn die Augen gelten als besonders nahe der Seele verwandt, und deswegen ist ein Lob der Augen schmeichelhafter, weniger plump, weniger oberflächlich, persönlicher. Warum aber sollen zwei Gallertkugeln seelenvoller sein als zwei Bindegewebskugeln? Weil die Augenlider, denke ich, einen wesentlichen Anteil an der persönlichen Mimik haben: wie eine ihre Augen bewegt, wie sie schaut, verrät etwas darüber, ob sie graziös oder plump ist, ob sie Anmut besitzt oder nicht.
Ob eine einen schönen Körper besitzt oder nicht, scheint etwas äußerliches zu sein: wenn einer sagt, ich wäre gebildet und ein Hort des Wissens, meint er, höflicher zu sein, wie wenn er sagt, ich hätte einen schönen Körper, selbst wenn er meine schönen Augen lobt. Etwas merkwürdiges ist an diesem Wahn, um seiner selbst willen geliebt zu werden zu wollen: noch schlimmer steht es um den reichen König oder Gralsritter, der nicht um seines Reichtums willen geliebt werden will, sondern um seiner selbst willen, denn Geld ist ja noch etwas äußerlicheres als Schönheit. Würdest du mich auch dann noch lieben, wenn ich arm wäre? Wenn ich häßlich wäre? Wenn ich dumm wäre? Wenn ich wahnsinnig wäre? In Charlotte Brontës Jane Eyre versichert ein Mann seiner Geliebten, er würde sie selbst dann noch lieben, wenn sie wahnsinnig würde, aber gleichzeitig deutet er an, daß Wahnsinn und Boshaftigkeit für ihn zweierlei ist, und würde sie nicht nur wahnsinnig, sondern auch noch krankhaft böse, dann würde seine Liebe wohl erlöschen.
Da ist ein Mann, der das Telefonbuch einer Großstadt auswendig gelernt hat und ein paar tausend Ziffern der Zahl Pi. Sein Gedächtnis übertrifft das der meisten Menschen auf erstaunliche Art und Weise, und dennoch gelingt es ihm nicht, daraus Profit zu schlagen: er hätte gerne eine Familie, lebt aber allein, er würde gerne viel Geld verdienen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs herum. Er ist nicht dumm, aber auch weder besonders gebildet, noch wirkt er besonders gewitzt. Seine Gabe scheint etwas ganz Fremdes zu sein, etwas, das gar nicht richtig zu ihm gehört und sich auch nur schlecht in sein Leben integrieren läßt. Überhaupt, unser Gedächtnis ist auf ärgerliche Art und Weise unabhängig von uns: woran wir uns erinnern wollen, das fällt uns nicht ein, und dafür bedrängen uns immer wieder Erinnerungen, von denen wir eigentlich längst genug haben. Und dann zaubert unser Gedächtnis auch noch jene gräßliche Melodie hervor, zu der es uns hartnäckig Titel und Interpret verweigert, die wir doch einst auch einmal gekannt haben und die auch noch irgendwo in unserem Gedächtnis versteckt sind. Wenn ich nicht mein Geld und meine Brille und mein Busen und meine Augen bin, sondern die Seele in mir, dann bin ich auch nicht mein Gedächtnis.
,,In der Ilias erklären alle, sogar das Pferd Xanthos, sogar der Fluß Skamandros, daß sie nicht der ,Grund' seien und für nichts verantwortlich, allerdings nicht, um sich von einer Schuld zu entlasten. Diese Feststellung ist der höchste Akt homerischer Gottergebenheit, ein Beiseitetreten angesichts der überwältigenden Macht. [...] Etwas trennt die homerischen Gestalten von allem, was vorher und nachher geschrieben worden ist. Sie verhalten sich wie jene perfekten Atheisten, die es niemals gegeben hat: sie sind davon überzeugt, daß das Leben mit dem Atem identisch ist. [...] Und doch, solange der Atem ging, war alles von Göttern erfüllt. [...] In ihrer Bescheidenheit sind die Atheisten voller Dünkelhaftigkeit. Für die kurze Zeitspanne ihres Lebens sind sie der Überzeugung, daß sie etwas verwalten wie eine Insel der Autonomie, die sich dann in blinde Atome auflöst. Die homerischen Helden gaben sich keinerlei derartigen Tröstung hin: während sie lebten, wußten sie, wurden sie von etwas Fernem, Vollständigem getragen und durchzogen, das sie danach zurückließ wie Lumpen. Die Ilias ist die Welt jäher, steiler Übergänge von einem Zustand zum anderen. Ihre vollendete Form begegnet uns in Achill. Mit Priamos, dem Vater seines Feindes, weint Achill gemeinsam, dann blickt er ihn voller Bewunderung an, dann - nur wenige Augenblicke später - muß er sich bremsen, um ihn nicht zu töten. [...] Als Thetis ihren in Trauer um Patroklos versunkenen Sohn Achill besucht, versucht sie nicht, ihn schrittweise aus seinem Leid herauszuführen. Thetis blickt ihn an und erinnert ihn an die Existenz von Brot und Bett. Dann fügt sie hinzu: ,Schön ist es, sich in der Liebe mit einer Frau zu
Die Götter Homers sind auch noch nicht das moralische Monster Platons, ihre Forderungen sind widersprüchlich: ein Jüngling, der Artemis gar zu keusch dient, wird von Aphrodite zerfleischt. Die Seele des Menschen ist der Raum für verschiedene Götter mit divergierenden Absichten, dem Menschen selbst gehört nur das Mittelmaß, das Gewöhnliche, das Alltägliche (das Uneigentliche, das Man, um ein wenig heideggerisch zu reden), alles Ungewöhnliche, im Guten wie im Bösen, stammt von den Göttern und reißt den Menschen mit. Schon Euripides versteht das nicht mehr: Seine Beurteilung Helenas ist ausgesprochen nachvollziehbar und modern: ihren Mann hat Helena zu lieben und zu ehren, ihren ersten; das aber heißt, ihm die Treue zu halten und sich ihrem zweiten Mann zu widersetzen und ihn nicht zu lieben. Und wenn Helena geltend macht, die Göttin der Liebe habe sie überwältigt, dann läßt er Hekabe antworten: ,,Zur Kypris [=Aphrodite] ward, als du ihn [Paris] sahst, dein Herz./ Des Herzens Torheit nennt man Aphrodite./ Drum klingt ihr Name fast wie Aphrosyne [=Torheit]'' [Euripides, Tragödien. Zürich und München 1990. Die Troerinnen, 988-990], und Menelaos faßt, kürzer, unsere moderne Ansicht über Götter und Mythen zusammen: ,,Kypris ist nur Redensart.''[a.a.O., 1037f] Homer aber verurteilt nirgends Helena, sie handelt bei ihm so, wie sie handeln muß; in der Odyssee sitzen Menelaos und Helena beisammen und erzählen sich, wie Menelaos im hölzernen Pferd saß und Helena ihn beinahe enttarnt hätte, was seinen Tod bedeutet hätte, und Menelaos hegt keinerlei Groll gegen sie: sie hat eben so gehandelt, wie Aphrodite es ihr eingab. Und Menelaos vergibt ihr, die er zuerst töten wollte, nach dem Fall Trojas, ebenfalls von Aphrodite geführt: ,,Kaum hatte Menelaos der nackten Helena/ Brüste gesehen, so warf er das Schwert weg.'' [Aristophanes, Komödien. München 1976. Lysistrate, 156f] Später stiftet Helena einen goldenen Becher mit dem Volumen ihrer Brüste der Aphrodite, wohl wissend, daß jene Göttin ihr damals das Leben rettete: ein Akt der Frömmigkeit.
Wenn unsere Gefühle und unser Handeln nun aber nur uns gehören, wo sie im Alltäglichen verharren, wer sind dann eigentlich wir? Ich sagte es bereits: der Raum für die Götter, ihre Arena. Wenn wir alle Schalen von uns abschälen, alles Äußerliche außer Betracht lassen, das Geld und die Macht und den Körper und die Maschinerie des Gedächtnisses und alles, was nicht zu unserem Wesenskern gehört, dann finden wir nicht uns selbst, sondern die Götter. Das Ich des Menschen dagegen ist nur eine Hülle, vielleicht eine erdachte, eine kollektive Wahnvorstellung oder eine Redensart: ,,Ich handle'', ,,es regnet'': wer ist ,,es'', der da regnet? Eine Redensart, ein durch unsere Grammatik bedingter Artefakt. Und wer bin ich, Sibylle? Eine Redensart, ein durch unsere Grammatik bedingter Artefakt. Insofern gleicht das Wesen des Menschen, sein Ich, seine Persönlichkeit, einem Badeanzug
Damit kommen wir zu unserem ersten Gleichnis: die Persönlichkeit eines Menschen ist wie sein grüner Badeanzug: scheinbar hält beides erst den Körper beziehungsweise den Geist des Menschen zusammen, in Wahrheit jedoch ist das keineswegs der Fall, es handelt sich vielmehr um ein Produkt der Kultur, das keine echte, sondern nur eine rein kulturelle Funktion erfüllt, nämlich die Nacktheit des Körpers beziehungsweise des Geistes zu verbergen. Es braucht den Badeanzug nicht wirklich, so, wie es auch das Ich nicht wirklich braucht, es ist nur ein dünnes Stück Stoff, das das Eigentliche verdeckt, aber so tut, als gäbe es erst dem Ganzen seine Form.
Insofern gleicht die Seele des Menschen wahrhaftig einem Badeanzug, und nicht etwa nur einem Body oder einem ähnlichen Kleidungsstück, denn jener ist straffer und enger als dieser, besonders wenn er sich mit Wasser vollgesogen hat. Dann klebt er an der Haut und hält sie scheinbar zusammen, sie, die auch ohne ihn zusammen halten würde.
Erst wenn wir eine Persönlichkeit tragen, spüren wir, daß es uns gibt. Erst wenn wir einen Badeanzug tragen, spüren wir unseren Körper. Denn an und für sich spüren wir unseren Körper nicht: erst der Druck des Badeanzugs erschafft den Körper in der eigenen Wahrnehmung, so, wie erst die Hände des Liebsten den Busen und den Hintern erschaffen, und die Härchen auf meinen Beinen, wie sein Mund erst meine Lippen erschafft, die Brustspitzen, den Bauch. Das Sein an sich existiert nicht in der Wahrnehmung: erst der Druck seiner Hände oder des Polyamids erschafft es, oder der Schmerz.
Denn Schopenhauer war ja nicht der erste, dem auffiel, daß ein Schmerz in einem einzelnen Glied unsere ganze Aufmerksamkeit beanspruchen kann, die Abwesenheit von Schmerz in allen anderen Gliedern jedoch nicht. Schon Platon verneint im Gorgias die Möglichkeit eines Glücks in der Zufriedenheit, die in der Abwesenheit von Leid begründet läge. Wir werden auf jenen Platondialog noch einmal zurückkommen müssen, aber erst, wenn wir uns erneut dem grünen Badeanzug zugewandt haben, der Quelle all dieser Überlegungen.
Die Funktion des Badeanzugs ist die des Anstands: zu verhüllen, was die Scham zu verhüllen gebietet. Freilich erfüllt er diese Funktion nicht eben besonders gut: strenggläubige Fanatiker verschiedener Religionen möchten Bedenken anmelden dagegen, daß eine Frau sich nur mit einem Badeanzug bekleidet in der Öffentlichkeit zeigt. Umgekehrt ein Volksstamm, dessen Frauen nackt sind, aus Wohlanständigkeit: denn, so heißt es, trügen die Frauen Kleider, so würde die Begierde der Männer nach ihnen sich derart ins Unermeßliche steigern, daß sie zu keinem klaren Gedanken mehr fähig wären und den Frauen hilflos ausgeliefert. Denn die Nacktheit kann weniger aufreizend sein als das Bekleidetsein.
Vielerlei Arten von Kleidern, züchtige und aufreizende und zweckmäßige, übrigens auch vielerlei Arten der Nacktheit: von Botticelli gibt es ein Bild, die Verleumdung des Apelles, gefüllt mit Apelles und dem König und acht weiteren allegorischen Gestalten, die Dummheit, der Verdacht, die Verleumdung, die Mißgunst, der Betrug, die Hinterlist, die Reue und die nackte Wahrheit. Die nackte Wahrheit ist nichts weiter als eine nackte Frau, die einen abstrakten Begriff darstellt, und gemalt ist sie so, daß von ihrer Gestalt nichts Aufreizendes ausgeht. Und doch ist sie ein Zitat aus Botticellis berühmtestem Bild, der Geburt der Venus. Und jenes Bild wiederum zitiert die antiken Statuen der Venus pudica. Eine dieser Statuen steht im kapitolinischen Museum, die kapitolinische Venus, eine nackte Frau mit hochgesteckten Haaren und einem Tuch, das ihre Knöchel stützt (eine Marmorstatue eines nackten Menschen in natürlicher Größe kann an ihren Knöcheln ihr eigenes Gewicht nicht tragen und braucht deshalb stets eine Unterstützung, einen Felsen, einen Baumstumpf, einen Bienenkorb, ein Bündel Kleider, auf den sie sich stützen kann), vielleicht eine Frau, die gerade aus dem Bad steigt oder gerade in ein Bad steigen will. Ihre Hände verdecken halb den Schoß und den Busen, nur halb, halb schweben sie in der Luft, so, als handele es sich um eine unwillkürliche und unbewußte Regung, Scham und Brust zu bedecken. Eine (antike) Interpretation glaubt nicht an die Schamhaftigkeit jener Frau und unterstellt ihr Verstellung: sie gebe sich schamhaft, um um so aufreizender zu wirken. Eine solche Spekulation ist freilich müßig: wir wissen nicht, was jene Frau fühlt, die der behauene Stein darstellen soll, und können endlos darüber streiten. Ich bin geneigt, ihre Haltung anders zu deuten: die Statue krümmt leicht den Rücken, so, als wolle sie sich zusammenkauern und verstecken; es ist nur eine ganz leicht angedeutete Krümmung, wäre sie gespielt, wäre sie mit unglaubwürdiger Meisterschaft gespielt. Vielleicht ist es so (eine müßige Spekulation, wie gesagt), daß jene nackte Frau, die die Statue darstellen soll, davon überzeugt ist, daß Nacktheit nichts schamloses ist und daß es keinen Grund gibt, sich nicht nackt zu zeigen, aber trotzdem befällt sie ein Unbehagen, sich nackt zu zeigen, sie krümmt leicht den Rücken, vielleicht, ohne es zu merken, und preßt die Knie aneinander, und ihre Hände suchen, Schoß und Busen zu verbergen, aber auf halbem Weg hält sie inne: warum sollte sie Schoß und Busen verbergen wollen, wäre das nicht albern, einer modernen griechischen Frau unangemessen? Und vielleicht schämt sie sich für einen Moment ihrer Scham, daß sie so altmodisch ist, ihre Scham verbergen zu wollen, und versucht, ihre Hände wieder sinken zu lassen.
Venus, Aphrodite, ist die Göttin der Liebe und der Verführung, und es wäre ihr zuzutrauen, Schamhaftigkeit zu spielen, um verführerischer zu wirken. Aber Aphrodite ist auch die Göttin der Weiblichkeit schlechthin, und damit auch der weiblichen Scham. Eine Göttin ist anders als ein Mensch, widersprüchlicher, weil allgemeiner. Denn Aphrodite ist nicht eine Frau, sondern die Frau schlechthin, es sind aber nicht alle Frauen gleich, sondern ganz verschieden, und darum muß auch Aphrodite in sich selbst ganz verschieden sein, lüstern und verschämt. Übrigens überschneiden sich auch die von den Göttern dargestellten Begriffe, oder einer ist in dem anderen enthalten. Darum kann es nicht überraschen, wenn wir erfahren, der Gott Marduk sei, insofern er der Herrscher der Götter ist, der Gott Anu, insofern er der leuchtende sei, sei er der Gott Sin, während es seltsam und ungereimt wäre, zu sagen, Herr Schmidt sei in gewisser Hinsicht Herr Meier, während er in anderer Hinsicht Herr Müller sei.
Die antike Statue hat den Kopf zur Seite gewendet; die Botticellivenus blickt mit geneigtem Kopf ins Unendliche, abwesend, unbetroffen von Zephir und Aura und der Grazie, so wie Sephora in dem Fresko der Sixtinischen Kapelle, an die Odette de Crécy Swann erinnert, nicht schamhaft, sondern gedankenverloren: und wer sich in seinen Gedanken verloren hat, kann ja auf seine Umwelt nicht schamhaft reagieren, die er oder sie doch vergessen hat.
Die Nacktheit an sich hat wenig aufreizendes, glaube ich; freilich wird das für verschiedene Menschen verschieden sein. Und wenn ich auch zu wenig über Pornographie weiß, um darüber statistisch stichhaltige Aussagen machen zu können, so scheint mir doch, daß auf entsprechenden Abbildungen Frauen in den meisten Fällen erst durch entsprechende Gesten, also dadurch, daß sie sich selbst berühren und sich in unnatürliche Posen recken, eine erotische Stimmung erzeugen, und oft sind sie auch nicht gänzlich nackt. ,,Welcher Natur- oder aber Geisteswissenschaftler kann mir definitiv erklären, warum eigentlich an schönen Frauen kleine und kleinste Höschen so ungemein einleuchten? Ich persönlich vermute, es hängt irgendwie mit Rilkes Armut als dem großen Glanz aus Innen zusammen. Bzw. umgekehrt: Die Muschel ist zwar nahe, allein es ist uns noch verwehrt, so sehr die Frau von uns begehrt, so üppig Sexus in uns märt, das Allerheiligste zu schauen: Das Höslein möcht es uns verbauen.'' [Eckhard Henscheid, Sudelblätter, Zürich 1991
Wenn wir den grünen Badeanzug als zweidimensionale Mannigfaltigkeit auffassen, dann ist er topologisch homöomorph zu einer Kugelschale mit fünf Löchern, oder, was das selbe ist, einer Kreisscheibe mit vier Löchern. Die Fundamentalgruppe auf diesem Raum ist gerade die freie Gruppe der Ordnung vier; keine sehr kompliziert zu definierende, aber bereits eine sehr reichhaltige Gruppe, die alle möglichen anderen Gruppen als Untergruppen enthält, beispielsweise die freie Gruppe der Ordnung eins, was nichts weiter ist als ein anderer Name für die additive Gruppe
Ein letztes Gleichnis noch, dann ist Schluß für heute:
Eines der Probleme, die das soziale Zusammenleben von Menschen bestimmen, ist das vom Verhältnis von Liebe und Ehe. Einer älteren Theorie zufolge ist die Ehe das primäre, das eventuell arrangiert wird, der die Liebe nachzufolgen hat. Einer neueren Theorie zufolge ist die Liebe das primäre, der nach angemessener Zeit die Ehe folgt, um dann, wenn die Liebe erloschen ist, wieder aufgelöst zu werden. Es gibt weitere Auffassungen: etwa, daß Liebe und Ehe getrennte und unvereinbare Bereiche seien.
Bei den vorchristlichen Europäern, zumindest bei den Germanen, gibt es zwei Begriffe, und beide spielen eine praktische Rolle, nämlich die Muntehe und die Friedelehe. Die Munt ist die Verfügungsgewalt, die Vormundschaft, das Wort ,,Vormund'' kommt auch wirklich etymologisch von dem Wort ,,Munt'' her. Bei einer Muntehe ist es so, daß der Vater der Braut seine Munt an den Bräutigam überträgt, es handelt sich also mithin um ein Rechtsgeschäft zwischen Vater und Bräutigam, zu dem die Zustimmung der Braut nicht notwendig ist. Das Wort Friedel bezeichnet den Liebsten, in Walther von der Vogelweides berühmten ,,Unter der linden''-Gedicht kommt das Wort vor. Die Friedelehe ist eine Ehe zwischen zwei sich liebenden, einer Zustimmung irgend einer dritten Person bedarf es dazu nicht. Es scheint, daß beide Formen lange Zeiten nebeneinander her bestanden (so ganz genau wissen es die Historiker selber nicht). Dann, bis zur Erfindung der Emanzipation der Frauen oder so, verdrängte die Muntehe die Friedelehe.
Das heißt nicht, daß es Liebe damals nicht auch gegeben hätte, aber sie hatte nichts mehr mit der Ehe zu tun. Die berühmtesten Geschichten von Liebenden sind Ehebruchsgeschichten, wie die Geschichte von Tristan und Isolde oder von Lancelot und Guinevere. Die Minnesänger besangen beinahe ausschließlich verheiratete Frauen, und auch die beiden berühmten Renaissancedichter Dante und Petrarca widmen ihre Gedichte verheirateten Frauen, während beide selbst verheiratet waren, wobei es ihnen nie in den Sinn gekommen wäre, ihren Ehefrauen Gedichte zu widmen - von Petrarcas Ehefrau wissen wir nicht einmal den Namen. Boccaccio ist berühmt für eine Sammlung von Geschichten, die fast alle um Ehebruch kreisen. Eine der anrührensten (und bekanntesten) Geschichten aus Dantes göttlicher Komödie handelt ebenfalls von zwei Ehebrechern, Francesco und Paolo. Neben Dantes und Petrarcas Sonetten wirkt Walther von der Vogelweide geradezu modern, wenn er in einem Gedicht fordert, Liebe solle auf Gegenseitigkeit beruhen, statt auf einseitiger Minne, aber auch sein bekanntestes Gedicht über die Wonnen der körperlichen Liebe handelt nicht von ehelicher Liebe (sonst müßte sie nicht unter einem Lindenbaum stattfinden).
Eine andere mittelalterliche Liebesgeschichte: der Briefwechsel von Abälard und Heloisa (von dem ich nicht glaube, daß er echt ist, aber das nur nebenbei). Darin erklärt Heloisa, warum ihre Liebe mit Ehe nichts zu tun haben kann: ,,Gott ist mein Zeuge, ich habe je und je in Dir nur Dich gesehen, Dich schlechthin, nicht das Deine, nicht Hab und Gut. Ein festes Eheband, eine Morgengabe - habe ich je danach gefragt? Du bist mein Zeuge, nicht meine Lust, nicht mein Wille war je mein Ziel, nein, nur Deine volle Befriedigung. In dem Namen ,Gattin' hören andere vielleicht das Hehre, das Dauernde; mir war es immer der Inbegriff aller Süße, Deine Geliebte zu heißen, ja - bitte zürne nicht! - Deine Schlafbuhle, Deine Dirne.'' [Eberhard Brost (Hrsg.): Abaelard - Die Leidensgeschichte und der Briefwechsel mit - Heloisa, München 1987, S. 80.] Die Liebe, noch einmal zusammengefaßt, ist etwas vollkommen außer der Ordnung der Menschen und sogar außerhalb der Ordnung Gottes stehendes, weshalb sie auch oft ins Unglück führt, und mit der Ehe hat sie überhaupt nichts zu tun, Ehe und Liebe sind zwei getrennte Bereiche, und um ihre Liebe zu beweisen, lehnt Heloisa sogar die Ehe mit Abälard ab (später heiratet sie ihn dann, nach heftigem Sträuben, doch, aber das ist dann schon nur noch eine Episode am Rande, ehe sie beide für immer ins Kloster gehen). Erst in der Neuzeit fällt beides wieder zusammen.
Es gibt einen anderen interessanten Umschlagspunkt, beim Übergang der Griechen von der Archaik zur Klassik, was das Verhältnis von Ehe und Liebe angeht. Wir können dazu auf ein bereits benutztes Gegensatzpaar zurückgreifen: sehr gut darstellen läßt sich das an der unterschiedlichen Art und Weise, wie Homer und Euripides das Verhalten der Helena beurteilen.
Die traditionelle Moral verlangt, wie nicht besonders überrascht, daß die Frauen sich den Männern unterordnen, um ihr Wohl bemüht sind und sich um sie sorgen, sie lieben, wenn dieses Wort ohne allzu großen Bedeutungswandel gebraucht werden kann. Dieses Verhältnis ist nicht einseitig, wie Achilles erklärt: ,,Ein jeglicher Mann, der edel und weis' ist, liebt und pflegt die Seine mit Zärtlichkeit.'' [Illias IX, 341f; Homer ist hier und im folgenden stets nach der Übertragung durch Voß zitiert.], ein Verhalten, das sich nicht durch Gesetz erzwingen läßt (so, wie es auch kein Gesetz gibt, daß den Frauen verböte, zänkisch zu sein), und es mag vorkommen, daß ein Mann, der nicht edel und weise ist, anders handelt; Männer und Frauen aber, die edel und weise sind, lieben und pflegen einander. Die Aussage des Achilles ist sogar sehr viel kühner, wenn wir den Kontext betrachten, in dem sie ausgesprochen wird: ,,Lieben allein denn jene die Fraun von den redenden Menschen,/ Atreus' Söhn'? Ein jeglicher Mann, der edel und weis' ist,/ Liebt und pflegt die Seine mit Zärtlichkeit, so wie ich jene/ Auch von Herzen geliebt, wiewohl mein Speer sie erbeutet.'' Achilles vergleicht an dieser Stelle eine Sklavin, von der wir nie auch nur den Namen erfahren, mit der Königin von Sparta: so, wie Paris dem Menelaos, dem Sohn des Atreus, Helena geraubt hat, so hat Agamemnon, der Sohn des Atreus, Achilles die Tochter des Brises genommen, letzteres de jure zwar legal, aber Achilles besteht darauf, daß im Grunde beide Vorgänge gleich sein, und daß er gegenüber der namenlosen Sklavin ebenso zu Liebe und Pflege verpflichtet ist, wie Menelaos gegenüber Helena, der er seinen Thron verdankt und wegen der die Griechen einen zehnjährigen Krieg beginnen.
Wurde bei Eroberungen die Beute verteilt, dann wurden die einzelnen Wertgegenstände, aber auch Menschen oft verlost. Ich weiß nicht, wie diese Verlosung im einzelnen vor sich ging: ob der, der das erste Los zog, als erster wählen dufte, welche der Frauen der eroberten Stadt ihm am besten gefiel, und der, der das letzte Los zog, die nehmen mußte, die übrig blieb. Vielleicht aber auch wurden die Frauen (und die Kleider und die Krüge und die Dreifüße) so verlost, daß jeder zufällig eine zugewiesen bekam und sich dann in sein Los fügte, ohne daß jemand auf den Gedanken kam, wenn Krieger A1 die Frau B1 erlost hatte, die Frau B2 aber schöner fand, und es dem Krieger A2 umgekehrt erging, daß sie dann hätten tauschen können.
Paris entführt Helena, oder, an dieser Stelle ist der Mythos mehrdeutig, Paris verführt Helena. Sowohl der Charakter des Paris als auch des Menelaos haben etwas Mattes, beide haben etwas von einem Schwächling, beide sind nicht zu vergleichen mit Hektor oder Achilles, die für ihre Sache kämpfen und deren Heldentum über jeden Zweifel erhaben ist. Homer vermeidet direkte Kritik an Menelaos und Paris, beide sind herrliche Krieger, aber doch nicht mit der selben Liebe geschildert wie Achilles oder Hektor, und zwischen den Zeilen wird ihre Schwäche angedeutet. Ein vollkommen edler Held entführt nicht die Frau eines Anderen, und einem vollkommenen Helden wird nicht die Frau verführt, oder, wenn doch, so hat er es nicht nötig, die Durchführung der Rache seinem Bruder zu übertragen. Alle wissen, und alle sind sich einig, daß Paris und Menelaos edle Helden sind, aber doch keine vollkommene Helden, keine perfekten Vorbilder. In diesem Zwielicht sind sie unumstritten. Anders steht es mit Helena: sie kann entweder das unschuldige Opfer einer Entführung sein, die sie erleidet, oder die aktive Unruhestifterin, die schuld ist an dem Krieg und an der Zerstörung Trojas. Euripides hält sie für schuldig.
Von den zahlreichen Tragödienschreiber der Antike sind im Grund nur drei Namen übrig geblieben: Aischylos, Sophokles und Euripides. Der jüngste der drei, Euripides, ist zugleich auch der modernste, in vielen seiner Ansichten könnte er unser Zeitgenosse sein. Während etwa andere von der natürlichen Überlegenheit der Herren über die Sklaven sprechen, da ja die Herren diejenigen seien, die die Freiheit höher schätzten als das Leben, während die Sklaven diejenigen seien, die das Leben höher schätzten als die Freiheit (eine These, die, kaum überraschend, etwa Hegel vertritt, aber auch der viel intelligentere Platon, der es eigentlich besser wissen müßte, wurde er doch selbst einmal als Sklave verkauft), macht Euripides Sklaven zu den Helden seiner Opern, etwa im Ion, in der Andromache, in den Troerinnen. Ion etwa beginnt mit der Arie eines Sklaven, der einen Hof auskehrt, und dieser Sklave erweist sich als der unschuldige Held des Stückes, während einer der höchsten und wichtigsten Götter, Apollon, sich als Verbrecher entpuppt. Vieles an seinen Stücken wirkt unausgewogen oder mißlungen, aber oft als eine Folge seiner Versuche, etwas Neues zu schaffen und mit der Tradition zu brechen.
Seine Beurteilung Helenas ist ausgesprochen nachvollziehbar: ihren Mann hat Helena zu lieben und zu ehren, ihren ersten; das aber heißt, ihm die Treue zu halten und sich ihrem zweiten Mann zu widersetzen und ihn nicht zu lieben. Und wenn Helena geltend macht, die Göttin der Liebe habe sie überwältigt, dann, und hier können wir das selbe Zitat wie oben noch einmal in anderem Kontext anführen, dann läßt er Hekabe antworten: ,,Zur Kypris ward, als du ihn sahst, dein Herz./ Des Herzens Torheit nennt man Aphrodite./ Drum klingt ihr Name fast wie Aphrosyne '' Selbst aber wenn wir hinnehmen, daß Helena Paris liebte und Menelaos nicht, warum blieb sie nach dem Tod des Paris noch immer in Troja, mit ihrem dritten Gatten Deïphobos? Eine wirklich vorbildliche Heldin hätte sich bei der Entführung durch Paris getötet, um ihrem ersten Mann die Treue zu halten, spätestens aber vor der Vermählung mit Deïphobos. Von einer gewöhnlichen, nicht vorbildlichen Frau kann eine solche Tat vielleicht nicht verlangt werden, aber dann müßten wir doch wenigstens erwarten dürfen, daß sie ihren zweiten oder dritten Mann haßt und ihm nur unter Zwang gehorcht und ihn nicht ,,liebt und pflegt mit Zärtlichkeit''. Ihre Treue hat einem Mann allein zu gelten, und zwar ordentlicherweise ihrem ersten, dem sie rechtmäßig angetraut wurde. Deshalb hat Helena nicht nur unabsichtlich und gegen ihren Willen Unheil über Troja gebracht, sondern sie selbst hat gegen die Regeln des Anstands verstoßen und wird von Hekabe direkt für den Tod der Menschen verantwortlich gemacht, die doch nicht Helena, sondern andere Menschen getötet haben. Hekabe fordert Helenas Tod, und Menelaos, in Euripides Stück, willigt ein, sie zu töten. Das Ende bleibt offen: wir erfahren nicht, ob Helena wirklich getötet wird, oder ob Menelaos es sich doch anders überlegt (In einer anderen Tragödie berichtet er, wie sich Helena aus Traue um ihre ermordete Schwester die Haare abschneidet, aber ja nicht zuviel, um nicht ihre Schönheit einzubüßen).
Schon zu Homers Lebzeiten, sogar schon zu Helenas Lebzeiten war die Idee, Helena sei die eigentlich schuldige am trojanischen Krieg, nichts Neues. Helena beklagt sich, daß, von ihrem Mann Paris natürlich abgesehen, alle Trojaner sie als Ursache ihres Unglücks hassen. Sie macht zwei Ausnahmen, und diese beiden Ausnahmen, die beiden einzigen, die sie nicht hassen, sind zugleich die beiden edelsten Trojaner: Hektor und sein Vater, König Priamos.
Priamos begegnet sie, als beide vom skäischen Tor herunter die Heere betrachten. ,,Komm doch näher heran, mein Töchterchen, setze dich zu mir,/ Daß du schaust den ersten Gemahl und die Freund' und Verwandten!/ Du nicht trägst mir die Schuld; die Unsterblichen sind es mir schuldig,/ Welche mir zugesandt den bejammerten Krieg der Achaier!'' [Illias III, 162-165] sagt er zu ihr. ,,Aber Helena sprach, die edle der Frauen, ihm erwidernd:/ Ehrenwert bist du mir, o teurer Schwäher, und furchtbar./ Hätte der Tod mir gefallen, der herbste, ehe denn hierher/ Deinem Sohn ich gefolgt, das Gemach und die Freunde verlassend/ Und mein einziges Kind und die holde Schar der Gespielen!/ Doch nicht solches geschah, und nun in Tränen verschwind' ich!...'' [Illias III, 171-176]
Die Tochter, von der Helena spricht, ist Hermione, ihr einziges Kind, das sie in Sparta zurückließ. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, daß Helena ihre Worte aufrichtig meint: fast immer reden die Menschen bei Homer, was sie denken, und die wenigen Male, wo sie sich verstellen, wird ihre Lüge von Homer ausführlich angekündigt (so, wie Jago erst dem Publikum ausführlich erklärt, wie er nun Othello nach Strich und Faden belügen werde, ehe er Othello nach Strich und Faden belügt). Wenige Verse zuvor erwähnt Homer Helenas Sehnsucht nach Sparta, ,,süßes Verlangen nach dem ersten Gemahl, nach der Vaterstadt und Gefreunden'' [Illias III, 139f]. Eine ganz ähnliche Rede richtet Helena an Hektor im sechsten Gesang, wo sie den Tag ihrer Geburt bedauert. Die Leichenrede der Helena an der Bahre des gefallenen Hektors ist, von vier Zeilen des Priamos abgesehen, die letzte gesprochene Rede in der ganzen Illias.
Eine der wunderlichsten Begebenheiten zwischen Menelaos und Helena findet sich im vierten Gesang der Odyssee, ich habe sie weiter oben schon kurz erwähnt. Telemachos, der Sohn des Odysseus, ist nach Sparta gekommen, um nach Nachricht von seinem Vater zu forschen. Um ihn aufzumuntern, erzählen ihm Helena und Menelaos von den tapferen Taten des Odysseus: wie Odysseus das hölzerne Pferd bauen ließ, in dem sich die tapfersten Krieger der Achaier versteckten, das dann am Strand zurückgelassen wurde, während die achaische Flotte scheinbar davonzog, wie die Trojaner das Pferd in die Stadt zogen. Und Menelaos wendet sich an Helena: ,,Dorthin kamst auch du, gewiß von einem der Götter/ Hingeführt, der etwa die Troer zu ehren gedachte;/ Und der göttergleiche Deïphobos war dein Begleiter./ Dreimal umwandeltest du das feindliche Männergehäuse,/ Rings betastend, und riefst der tapfersten Helden Achaias/ Namen, indem du die Stimme von aller Gemahlinnen annahmst.'' [Odyssee IV, 274-279] Zweierlei gibt es zur Erklärung zu sagen.
Zum einen, wir sprachen schon davon: für Menelaos - und Homer - ist ,,Kypris nicht nur Redensart''. Die Götter lenken das Herz der Menschen und bestimmen ihr Schicksal, und sie sind nur sehr begrenzt oder gar nicht dafür verantwortlich zu machen. Helena muß wohl von einem der Götter geführt worden sein, der die Troer ehren wollte. Das andere ist, daß Menelaos und Homer nicht erwarten, daß Helena ihrem ersten Mann die Treue hält. Als gute Ehefrau ist sie dem treu, dem sie gerade aktual angetraut ist. Deïphobos kann Helena wohl zwingen, verschiedene Stimmen nachzuahmen und in das hölzerne Pferd hinein zu rufen, aber da er ja die Stimmen der achaischen Frauen nicht kennt, kann er sie nicht zwingen, wirklich die richtigen Stimmen nachzuahmen. Trotzdem tut sie es. Andererseits beweinen in diesem vierten Gesang der Odyssee nicht nur Menelaos und Telemachos (und andere) das ungewisse Schicksal des Odysseus: ,,Argos' Helena weinte, die Tochter des großen Kronions,/ Und Telemachos weinte und Atreus' Sohn Menelaos.'' [Odyssee IV, 184f] Es ist nicht so, daß sie Deïphobos liebt und Menelaos und dessen Verbündeten Odysseus haßt und ihnen den Tod wünscht. Weil sie des Deïphobos Frau ist, bringt sie Odysseus und Menelaos in tödliche Gefahr, weil sie des Menelaos Frau ist, beweint sie des Odysseus Schicksal, und es gibt nirgendwo einen Hinweis darauf, daß sie eines von beiden unehrlich tut.
Helena selbst hat, vor Menelaos, noch eine andere Geschichte erzählt: wie Odysseus, als Sklave verkleidet, Troja ausspioniert. Im Grunde ist es die gleiche Geschichte: Odysseus dringt getarnt in die Stadt ein, um Trojaner zu töten. Auch diesmal will ihn Helena enttarnen, doch Odysseus findet immer wieder Ausflüchte. Als sie bei den Göttern gelobt, ihn nicht zu verraten, gibt er endlich zu, Odysseus zu sein, und entdeckt ihr seine Pläne. Homer verrät nicht, was geschehen wäre, wenn Helena ihn vor ihrem Schwur enttarnt hätte, der kluge Odysseus jedenfalls gibt sich erst nach dem Schwur zu erkennen. Er läßt Helena nur sagen, wie sehr sie sich damals die Rückkehr wünschte.
Es scheint, wenn ich es richtig verstehe, so zu sein, daß für Homer Liebe für einen edlen Menschen auf jeden Fall zur Ehe dazugehört, gleichgültig, ob diese Ehe freiwillig oder unfreiwillig zustande kam, und da Helena (daran lassen beide Epen in ihren Bezeichnungen der Helena keinen Zweifel) eine der edelsten Frauen überhaupt ist, liebt sie nacheinander jeden ihrer Männer. Zugleich ist sie dabei nicht blind für die Mängel ihrer Männer. Als Menelaos Paris im Zweikampf besiegt, freut sie sich, weil sie hofft, nun endlich zurück nach Sparta zu kommen. Eine Intrige der Aphrodite verhindert das; dann nimmt Aphrodite die Gestalt einer alten Frau an, um Helena zu Paris zu führen. Helena zögert. ,,Aber sobald sie bemerkte den lieblichen Nacken der Göttin,/ Auch den Busen voll Reiz und die anmutstrahlenden Augen,/ Tief erstaunte sie jetzt und redete, also beginnend:/ Grausame, warum strebst du, mich nochmals schlau zu verleiten?/ Soll ich vielleicht noch weiter die wohlbevölkerten Städte/ Phrygiens oder der holden Mäonia Städte durchwandern,/ Wenn auch dort ein Geliebter dir wohnt der redenden Menschen?/ Drum weil jetzt Menelaos den edlen Held Alexandros [=Paris]/ Überwand und beschleußt mich heim, die Verhaßte, zu führen,/ Darum schleichst du mir jetzo daher voll trüglicher Arglist?/ Setze zu jenem dich hin und verlaß der Unsterblichen Wandel;/ Und nie kehre dein Fuß zu den seligen Höhn des Olympos,/ Sondern teile des Sterblichen Weh und pfleg' ihn mit Sorgfalt,/ Bis er vielleicht zum Weibe dich aufnimmt oder zur Sklavin;/ Dorthin geh' ich dir nimmer, denn unanständig ja wär' es,/ Ihm sein Bett zu schmücken hinfort. Des würden mich alle/ Troerinnen verschmähn; und Gram schon lastet das Herz mir!'' [Illias III, 396-412] Helena fühlt sich im Recht: durch den gewonnenen Zweikampf ist nun wieder Menelaos ihr Ehemann, und mit Paris zu schlafen wäre Ehebruch; die Troerinnen, die sie, die schöne, unheilbringende Fremde, ohnehin nicht leiden können, würden sich zu Recht das Maul über sie zerreißen. Sie beschimpft die Göttin in einer Art und Weise, wie das in der antiken Literatur selten ist; und alle anderen, die sich gleiches herausnehmen, pflegen daraufhin zu sterben. Schnell kann Aphrodite Helena einschüchtern: es ist immer gefährlich, es sich mit einem der Götter zu verderben (wir erinnern uns an den Jüngling, der allzu eifrig einen Kult der keuschen Jagdgöttin Artemis betrieben hatte und von Aphrodite getötet wurde; die Babylonier versuchten gar einmal, den Kult der Ishtar gänzlich auszurotten, mit wenig Erfolg, und ähnliche Bemühungen der Christen können gleichfalls nicht durchgängig als Erfolg bezeichnet werden). Sie läßt ihre Wut an Paris aus: ,,Kommst du vom Kampfe zurück? O lägest du lieber getötet/ Dort vom gewaltigen Manne, der mir der erste Gemahl war!'' [Illias III, 428f], aber Paris gelingt es, sie trotzdem auf sein Bett zu locken, und während noch die Griechen nach Paris suchen und ihren Sieg verkünden, schlafen Paris und Helena miteinander.
Es hat, für modernes Empfinden, etwas unmenschliches, einen gewalttätigen Entführer genauso lieben zu sollen wie den vorherigen rechtmäßigen Gatten oder gar einen selbstgewählten Mann. Euripides spricht es klar aus, in den Sätzen der Andromache. Andromache war die Frau Hektors, eine Prinzessin von Theben. Ihr Vater, ihre sechs Brüder wurden von Achilles ermordet, Theben von Achilles zerstört. Auch ihr Mann Hektor wird schließlich von Achilles getötet, ihr gemeinsamer Sohn, noch ein kleines Kind, wird vom Turm geworfen, und sie fällt an Neoptolemos, den Sohn des Achilles, als seine Gattin. ,,Schweigsamen Mund fand der Gemahl bei mir/ Und heit'ren Blick. Ich wußte wohl zu scheiden,/ Wann ihm, wann mir Nachgiebigkeit geziemte./ Und das Gerücht hiervon drang zu den Griechen. Das war mein Fluch. Denn, als sie mich gefangen,/ Begehrte mich der Sohn Achills zum Weib/ Und dienen soll ich in des Mörders Haus./ Wenn ich nun, Hektors teures Haupt vergessend,/ Dem neuen Gatten meine Seele öffne,/ Brech' ich die Treu dem Toten. Stoß' ich ihn/ Zurück, trifft mich der Haß des eig'nen Herrn./ Man pflegt zu sagen, eine Nacht besiege/ Des Weibes Scheu vor des Gemahls Umarmung./ Mich dünkt verächtlich jene, die den ersten/ Vergessend, neu vermählt den zweiten liebt./ Fügt doch ein Pferd selbst, von dem Zwillingspferd/ Getrennt, nicht willig sich dem neuen Joch;/ Und doch ist solch ein Tier der Sprache bar,/ Schwach von Verstand, an Gaben uns nicht gleich./ Du, Hektor, warst der Mann, der mir gefiel,/ Groß an Verstand, Geburt, Besitz und Mut./ Keusch kam zu dir ich aus dem Vaterhaus,/ Die Jungfrau ward in deinem Arm zum Weibe./ Nun bist du tot, mich aber trägt das Schiff/ Nach Hellas, in Gefangenschaft und Knechtschaft.'' [Euripides, Tragödien. Zürich und München 1990. Die Troerinnen, 654-678] Aber schon Homer zeichnet im sechsten Gesang der Illias ein Bild der Witwenschaft Andromaches, und es ist klar, daß er Krieg oder Versklavung nicht für gleichgültige oder neutrale oder gar erfreuliche Dinge hält.
Bevor ich zur Nutzanwendung all dieser antiken Geschichten für die Gegenwart und zu meinem letzten Gleichnis komme, muß ich noch ein letztes antikes Paar erwähnen, eines der rührendsten von allen, obwohl auch sie sich nicht in einer Friedelehe, sondern einer Muntehe gefunden haben; trotzdem verschmäht Odysseus für seine Penelope eine Zauberin, eine Göttin, sogar, von allen die verführerischste, obwohl nur eine Sterbliche, die wunderbare Nausikaa; trotzdem verschmäht Penelope für ihren Odysseus all die anderen Freier, die ihr ein Leben in Sicherheit bieten könnten.
Das Beiwort, das Homer für Penelope am häufigsten verwendet, ist nicht, wie bei vielen anderen Frauen, ,,schönwangig''; vielleicht war Penelope nach zehn Jahren Krieg und zehn Jahren Verschollensein des Gatten auch nicht mehr schönwangig; statt dessen nennt er sie ,,klug'': die kluge Penelope. Als Odysseus nach Hause kehrt, sieht er so jämmerlich aus, daß sie ihn nicht mehr erkennt. Zuerst will sie nicht glauben, daß Odysseus wirklich zurückgekehrt ist: sie ist keine Leichtgläubige, und zwanzig Jahre des Wartens sind der Hoffnung nicht förderlich. Als sie Odysseus sieht, der durch das Bad seine alte Gestalt wieder bekommen hat, weiß sie nicht, was sie davon halten soll, sie fürchtet, getäuscht zu werden. Ihr gemeinsamer Sohn Telemachos, inzwischen selbst ein erwachsener Held, ist empört: ,,Keine andere Frau wird sich von ihrem Gemahle/ So halsstarrig entfernen, der nach unendlicher Trübsal/ Endlich im zwanzigsten Jahre zum Vaterlande zurückkehrt!/ Aber du trägst im Busen ein Herz, das härter als Stein ist!/ -Ihm antwortete drauf die kluge Penelopeia:/ -Lieber Sohn, mein Geist ist ganz in Erstaunen verloren,/ Und ich vermag kein Wort zu reden oder zu fragen,/ Noch ihm grad' ins Antlitz zu schaun! Doch ist er es wirklich,/ Mein Odysseus, der wiederkam, so werden wir beide/ Uns einander gewiß noch besser erkennen: wir haben/ Unsre geheimen Zeichen, die keinem andern bekannt sind./ -Sprach's, da lächelte sanft der herrliche Dulder Odysseus,/ Wandte sich drauf zum Sohn' und sprach die geflügelten Worte:/ -O Telemachos, laß die Mutter, so lange sie Lust hat,/ Mich im Hause versuchen; sie wird bald freundlicher werden.'' [Odyssee XXIII, 100-114] Und erst, als Odysseus zu erkennen gibt, daß er Erinnerungen teilt, die nur Odysseus und Penelope geteilt haben, umarmt sie ihn und küßt ihn, weinend. Sie erzählt von ihrer Sorge, von einem Betrüger getäuscht zu werden, sie nennt ihn Geliebter. ,,Also sprach sie. Da schwoll ihm sein Herz von inniger Wehmut./ Weinend hielt er sein treues, geliebtes Weib in den Armen.'' [Odyssee XXIII, 231f] Sie besprechen, welche künftigen Gefahren sie noch bestehen müssen, welche Buße Poseidon Odysseus auferlegt hat für den erschlagenen Kyklopen. Dann gehen sie gemeinsam zu Bett und schlafen miteinander. Doch dann bleiben sie noch lange wach: ,,Jene, nachdem sie die Fülle der seligen Liebe gekostet,/ Wachten noch lang', ihr Herz mit vielen Gesprächen erfreuend.'' [Odyssee XXIII, 300f] Zuerst erzählt Penelope, was sie von ihren Freiern erdulden mußte, dann erzählt Odysseus von seinen Fahrten. ,,Und kaum hatt' er das Letzte gesagt, da beschlich ihn der süße,/ Sanft auflösende Schlummer, den Gram der Seele vertilgend.'' [Odyssee XXIII, 342f] Jetzt erst kann er einschlafen, und Athene selbst verzögert den Ablauf der Nacht, damit alles, Liebe, gegenseitiges Erzählen und Schlaf, in ihr Platz hat.
Die beiden passen zueinander: listig, in Verstellungen geübt, mißtrauisch; Penelope stellt Odysseus selbst auf die Probe, als sie ihn nicht erkennt, Odysseus versucht sogar, seine Beschützerin Athene zu täuschen und erzählt ihr ein Lügenmärchen, als er sie nicht erkennt. Telemachos macht seiner Mutter Vorwürfe, daß sie den Heimgekehrten nicht begeistert empfängt, doch Odysseus lächelt nur; vermutlich würde er an ihrer Stelle genauso handeln.
Odysseus hat sich Penelope bis zu einem gewissen Maß ausgesucht, andererseits auch nicht. Er hat sie als Sieger eines Wettrennens gewonnen, sich also um sie bemüht, aber wir wissen nicht, ob er nicht statt ihrer auch eine andere hätte heiraten können. Trotzdem haben die beiden miteinander Glück, indem sie sich in ihrem Wesen ähnlich sind, indem sie sich ähneln in Besonnenheit und Klugheit. Während es fraglich ist, ob Menelaos (oder auch Paris) mit Helena so großes Glück gehabt hat; eine treue Gefährtin ist sie jedenfalls nicht.
Odysseus und Penelope sind einander treu, und diese Treue hängt nicht davon ab, ob sie beide nicht vielleicht einen noch tolleren, großartigeren Gatten finden können. Sie können sich aufeinander verlassen, Odysseus weiß, daß Penelope daheim auf ihn wartet, Penelope weiß, daß Odysseus sie nicht vergessen wird und nach Heimkehr strebt, soweit es in seiner Macht steht. Wie sollen wir das nennen? Sie lieben sich. Und Kalypso oder Nausikaa liebt Odysseus nicht, ohne daß ein Mangel an einer der Beiden daran schuld wäre. Sie sind vollkommen, aber eben nicht seine Gefährtin.
Was also macht, daß zwei sich lieben? Im besten Fall, daß beide über Tugend und Schönheit verfügen, miteinander harmonieren und von Tyche (oder Ananke) zusammengeführt werden, so wie Odysseus und Penelope.
Viele Menschen, glaube ich, sind heute unglücklich, weil sie sowohl an sich selbst, als auch an ihren möglichen Partner unerfüllbar hohe Anforderungen stellen. Viele Frauen, glaube ich, leiden, weil sie nicht so schön sind, wie die Photographien von Cindy Crawford (dabei ist noch nicht einmal Cindy Crawford so schön wie die Photographien von Cindy Crawford); aber zugleich finden auch viele keinen Menschen, mit dem sie zusammenleben möchten oder können, weil sie die Vorstellung haben, Liebe müsse sich auf irgend eine Art Vollkommenheit gründen. Warum liebe ich jemanden? Wenn ich die Antwort mit einem ,,Weil...'' beginne, dann verfehle ich bereits die Liebe: weil er so klug ist, weil er so schön ist, weil er so sanft und einfühlsam ist. Dann aber müßte ich ihn verlassen, wenn ich einen Anderen treffe, der klüger und schöner ist, es sei denn, ich bin überzeugt, er sei der Klügste und Schönste überhaupt. Den Klügsten aber kann es per definitionem nur ein einziges Mal geben, und es ist schwierig, herauszufinden, wer er ist, und es ist gut möglich, daß er nicht zugleich der Schönste und der Gütigste ist. Ist er der Richtige? Ist sie die Richtige? Diese Frage ist leicht geeignet, uns unglücklich zu machen. Ich denke, wir sollten uns von diesem Bild der Liebe frei machen und lieber ein anderes Bild benutzen: die Liebe, die vernünftige, angemessene Liebe, wie sie zwischen Penelope und Odysseus herrscht, ist wie mein grüner Badeanzug. Ich habe darauf geachtet, daß er ungefähr zu mir paßt und mir halbwegs gefällt, ansonsten gehe ich davon aus, daß er sich mir und ich mich ihm anpassen werden.
Noch in anderer Hinsicht gleicht die Liebe meinem grünen Badeanzug: er bedeckt mich, er ist meine unmittelbare Umwelt, aber er reicht nur bis zu meiner Oberfläche: darunter bin ich, ich allein. In meinen Gedanken bin ich immer allein, die kann ich nicht mit ihm teilen. Und er bedeckt meine Oberfläche auch nicht ganz, freilich ganz da, wo die intimeren Stellen sind. Aber Kontakt habe ich auch mit anderem: dem Sand unter meinen bloßen Füßen, meinen Freunden, dem Wind in meinen Haaren, meiner Arbeit. Und wir werden niemals verschmelzen (wie der Aristophanes des Gastmahles andeutet), sondern zwei getrennte Wesen bleiben.