2012-02-03Georgia & GaramondEine kurze Skizze, beginnend mit einer konzisen Einführung in die Historie der gedruckten Lettern unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Schriftarten und Rechenmaschinen, hinführend zu der Frage, ob ich diese meine Skizzen „aufpimpen“ soll mit geborgten Schnitten. …
2012-01-30Wie ich einmal einen Pornokanal abonniert habeDas kam so: ganz am Anfang kam bei mir das Internet aus der Telefonleitung, später dann aus der Steckdose und inzwischen seit einiger Zeit aus dem Kabelanschluss fürs Fernsehen. Und zwar schon seit so geraumer Zeit, dass mein Kabelanbieter Callcenterdamen beauftragt hat, mir hinterher zu telefonieren, ob ich denn nicht meinen Tarif wechseln wollte, da mein Tarif inzwischen doch schon sehr alt und betagt sei und es inzwischen zu fast dem gleichen Preis einen neuen Tarif gäbe mit größerer Downloadkapazität. Es gibt allerdings eine Grenze, jenseits derer für mich eine größere Downloadkapazität gar keinen Sinn mehr macht: was nützt mir ein Provider, der mir die Daten schneller herbei schafft, als sie mein W-LAN dann zu meinem Rechner funken kann? Allerdings bekam ich auch eine größere Uploadkapazität versprochen. Und um mir den Deal noch weiter zu versüßen, sollte ich außerdem auch noch ein Pay-TV-Paket meiner Wahl mit dazu bekommen. …
2012-01-28Basteln mit DreifüßenIch habe mich mit einem geometrischen Problem beschäftigt, nämlich welche Figuren sich aus einem Grundbaustein konstruieren lassen, den ich „Dreifuß“ nenne. Um diesen Begriff zu definieren, brauche ich zunächst noch einen weiteren: ein „Elementarwürfel“ ist ein Würfel mit der Kantenlänge 1; außerdem sollen seine Ecken ganzzahlige Koordinaten haben. Ein Dreifuß entsteht nun folgendermaßen: wir beginnen mit einem Elementarwürfel und wählen drei Seitenflächen aus, die sich eine gemeinsame Ecke teilen. Auf diese drei Seitenflächen kleben wir jeweils einen weiteren Elementarwürfel. Ein Bild veranschaulicht vielleicht, was ich meine. …
2012-01-082011Eigentlich wollte ich noch im Jahr 2011 einige Skizzen über populärkulturelle Phänomene des Jahres 2011 schreiben, und zwei dieser Skizzen hatte ich im Kopf auch schon weitgehend fertig (zusammen mit einer weiteren Skizze über ein Stück Hochkultur), aber meine fortschreitend zerfallende Gesundheit, insbesondere zunehmende Faulheit, Antriebslosigkeit und Ennui, aber auch körperliche Leiden, sowie die ständigen Feiern rund um die Sonnenwende haben mich daran gehindert. Und nun ist schon 2012, und niemand interessiert sich mehr für die völlig veralteten und obsoleten Glanzlichter des Jahres 2011. Statt fleißig Skizzen zu schreiben, habe ich entgegen meiner Gewohnheiten viel fern gesehen, was bekanntlich (vergleiche etwa auch den vierten Gesang der Oompa-Loompas) das Hirn zerbröselt und jede Fantasie tötet. Zwar gibt es auch Fernsehsender mit einem kulturellen Auftrag, aber auch diese senden bekanntlich zur besten Sendezeit hauptsächlich Fußball, Volksmusik und Krawallgesprächsrunden. Nun gut, einige dieser öffenlich-rechtlichen Sender haben sich inzwischen heimlich Zweit- und Drittkanäle zugelegt, auf denen sie seither, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ihren Bildungsauftrag erfüllen. Aber das ist dann oft auch nicht viel besser. Da unterhalten sich etwa ein berühmter Musikkritiker, Joachim Kaiser, und ein bekannter Dirigent, Christian Thielemann, über Beethovens Symphonien, dazu werden Schnipsel dieser Symphonien eingespielt, interpretiert von verschiedenen Dirigenten, aber auch jeweils komplette Fassungen unter Thielemann. Hochkultureller geht es wohl kaum noch. Zwar ist Thielemanns Interpretation ziemlich altbacken, aber nun gut, es sind zum Glück in der Musik verschiedene Deutungen möglich, die alle friedlich nebeneinander bestehen können, und es wäre ja schlimm, wenn das ZDF immer nur solche Ansichten, Deutungen und Interpretationen spielen dürfte, die mir besonders gut gefallen, es ist ja nicht so verkehrt, sich selbst gelegentlich abweichende Ansichten zuzumuten. Aber zu was für einem unerträglichen Geschwätz dieses Gespräch gerät! Da versichern sich beide, wie großartig es sei, dass Beethoven, der es sich in seinen eher kammermusikalischen Werken doch manchmal erlaubt habe, Schwermut, Zweifel und Krankheit durchscheinen zu lassen, sich in seinen Symphonien stets zu Gesundheit gezwungen habe, weshalb nun diese Werke für den Hörer so wohltuend und bekömmlich seien, so, als verhandelten die beiden die Vorzüge eines bestimmten Abführmittels. Dazu bestärken sich die beiden noch gegenseitig darin, dass es beim Interpretieren (und wahrscheinlich generell im Leben) nicht gut ist, allzu tief und gründlich nachzudenken, das Nachdenken kann eine gefährliche und schädliche Sache sein, und womöglich stört es auch die ruhige und gleichmäßige Verdauung, die man sich mit dem gesunden Symphoniker Beethoven ja gerade erhalten wollte. Während ich dies hier schreibe, höre ich, um mich einigermaßen wieder zu fassen oder vollends zu zerrütten, das Streichquartett op. 59.3 als Antidot zu diesem Geschwafel. Andererseits gibt es auf ZDF neo (beziehungsweise nach Mitternacht im echten ZDF) auch wunderbare Glücksfälle wie etwa Ijon Tichy, Held von Kosmos. Gedreht wurde die Serie in der Wohnung des Hauptdarstellers (zugleich Drehbuchautor und Regisseur), und die Liebe, das Herzblut, die Spielfreude, die in dieser Serie steckt, ist entzückend und macht die Einschränkungen des Budgets mehr als wett. Mit der Vorlage von Stanisław Lem erlaubt das Drehbuch sich sehr große Freiheiten, was Lem vermutlich überhaupt nicht gefallen hätte (mit Verfilmungen seiner Werke war er nur zufrieden, wenn sie sich sklavisch an seinen Text hielten, also so gut wie nie), aber Klassiker auf ein Podest zu erheben und dort verstauben zu lassen ist in der Literatur so unsinnig wie in der Musik, und das klassische Erbe gehört dem, der es mutig ergreift und zu seinem Eigentum macht, und nicht dem, der stumm vor Verehrung auf dem Bauch vor ihm liegt. …
2011-11-06Private Mitteilung XIIIOrion steht am Himmel über der Augustaanlage 2011-10-28Wie man sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegtNehmen wir an, du wohnst in A-Stadt, und um 12 Uhr sollst du in B-Stadt sein, die 100 Kilometer von A-Stadt entfernt liegt. Wenn du dich um 11 Uhr auf den Weg machst, so hast du eine Stunde Zeit für die Reise, die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der du dich auf deiner Reise bewegen musst, um rechtzeitig anzukommen, ist also 100 Kilometer, dividiert durch eine Stunde, also 100 km/h. …
2011-09-25Moralische Ernährung: Alles KäseEin Vorteil, Vegetarier zu sein, manche sagen, der einzige, besteht darin, ein hohes moralisches Roß reiten und Fleischessern auf die Nerven gehen zu können: bei jeder Gelegenheit, also bei jeder Mahlzeit, dürfen wir den Fleischessern erklären, dass ihre Art der Ernährung ungesund, moralisch fragwürdig und ökologisch verheerend ist. Der Verzehr von Fleisch vernichtet die Regenwälder und Korallenriffe, lässt das Klima kollabieren und wird Florida, Tokio und die Malediven im Meer versinken lassen. Es gibt da nur einen kleinen, ärgerlichen Fleck auf dieser strahlend moralischen Argumentation, eine Lücke in der Rechtfertigung dieser Erregung, dieses gerechten Zorns, dieser begründeten Überheblichkeit, zumindest für die Vegetarier, die Käse essen. …
2011-09-24Aktuelle EreignisseEinmal kam im Lande Laber der Fürst der Kinderfickermafia zu Besuch. Man muss, so hieß es im Lande Laber, dem Fürsten mit Respekt begegnen, schließlich steht er einer sehr alten und damit auch ehrwürdigen Institution vor, außerdem behauptet er, der Enkel Gottes zu sein, und auch wenn wir wissen, dass Gott wahrscheinlich gar kein Mensch ist und deshalb auch keinen Penis hat und keine Enkelkinder und womöglich auch nur ein Symbol ist für die Metapher für das Simile des gerechten Umgangs miteinander, so gibt es doch eventuell draußen auf den Dörfern Menschen, die den Fürsten der Kinderfickermafia tatsächlich für den Enkel Gottes halten, und deren Gefühle dürfen nicht verletzt werden, sie könnten sonst womöglich über ihre verletzten Gefühle sterben oder doch zumindest sehr, sehr traurig werden. Der Fürst hielt dann eine Rede, in der er sagte, dass die Menschen sich bemühen sollten, eher gut zu sein, und weniger schlecht, und alle fanden, dass das eine sehr gute und tiefgründige und philosophische Rede war, und dass es sehr gut und wichtig war, dass er diese Rede gehalten hatte. Anschließend traf sich der Fürst mit Vertretern der Union der Grinsbacken. Die Grinsbacken hatten auf ein Joint-Venture mit der Mafia gehofft, auf dass sie heiße Luft gemeinsam en gros verkaufen könnten. Der Fürst erklärte ihnen, wie wichtig es sei, miteinander im Gespräch zu bleiben und über alles zu reden, auch wenn sie üble Ketzer seien, die er am liebsten auf hell leuchtenden Scheiterhaufen verbrennen würde, wenn er denn die Macht dazu hätte, und die Vertreter der Union der Grinsbacken nickten und sagten, auch sie seien ganz dringend der Meinung, dass es ganz dolle wichtig sei, miteinander im Gespräch zu bleiben und über alles zu reden. Die Kinderfickermafia war ursprünglich aus einer wilden und wüsten Sekte hervor gegangen, die verkündete, dass alle Regeln und Gesetze aufgehoben seien und dass von nun an alles erlaubt sei, weil der ursprüngliche Vertrag zwischen Gott und den Menschen aufgehoben und durch ein magisches Opferlamm null und nichtig geworden sei. Der Fürst aber verkündete, wie wichtig es sei, dass Mann und Weib auf die richtige Art und Weise miteinander ficken und in der richtigen Reihenfolge und zur richtigen Stunde und unter Verwendung der richtigen Körperteile und im Rahmen der richtigen Verträge, andernfalls seien ihnen ewige Qualen gewiss, hier auf Erden aber dürften sie nicht länger Kindergärtnerinnen oder Altenpfleger oder Krankenschwestern oder Ärzte sein und wären auch vom Verzehr von magischem kannibalischem Brot ausgeschlossen. Diese Lehre dürften aber nur solche Menschen verkünden, die einen Penis besitzen, den sie allerdings nur in junge Knaben oder Haushälterinnen stecken dürften. Einige Schreihälse schrien, der Fürst hätte gar keine Kleider an, aber das stimmte nicht, denn während der Fürst Demut und Bescheidenheit predigte, hatte er verschiedene bunte und reich geschmückte Gewänder an, in Weiß und in Grün und in Pink. Das Pink aber wurde gewonnen aus dem Saft von zwei Millionen Schnecken der Art Hexaplex trunculus.
« vorherige Seite
(Seite 1 von 33, insgesamt 260 Einträge)
nächste Seite »
| SucheAktuelle EinträgeGeorgia & Garamond
2012-02-03 Wie ich einmal einen Pornokanal abonniert habe 2012-01-30 Basteln mit Dreifüßen 2012-01-28 2011 2012-01-08 Private Mitteilung XIII 2011-11-06 Wie man sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegt 2011-10-28 Moralische Ernährung: Alles Käse 2011-09-25 Aktuelle Ereignisse 2011-09-24 Noch älteresNeuester Eintrag in Sketches BlogBlog abonnieren |