Amanda Conner hat nach zwölf Ausgaben beziehungsweise einem Jahr den Titel „Power Girl“ von Detective Comics verlassen, der Streß eines monatlich erscheinenden Titels wurde ihr zu viel – ein Ereignis von bestürzender, tragischer Dimension, schien es doch so, als sei Amanda Conner dafür geschaffen worden, Power Girl zu zeichnen, und Power Girl, um von Amanda Conner gezeichnet zu werden, ja, an anderer Stelle habe ich von Amanda Conner gezeichnet zu sein als einzige erlösende Qualität Power Girls bezeichnet, einer Figur, die sich ansonsten hauptsächlich durch die Wirrheit ihres redaktionellen Mandats und ein besonders lächerliches Kostum auszeichnet. Das Ende der Connerschen Ära soll daher Anlass für einen kleinen, fünfteiligen Rückblick sein. Zunächst also: wer ist Amanda Conner?

Die allwissende Wikipedia verschweigt uns ihren Geburtstag (1965-04-13) und weiß uns nur zu berichten, dass beide Eltern Künstler waren; als Kind spielte sie mit den Malutensilien ihrer Eltern. Nach einer geschiedenen ersten Ehe lebt sie in New York mit dem Zeichner und Texter Jimmy Palmiotti zusammen – das ist der Bursche rechts außen auf dem folgenden Bild:

Aber eigentlich sind die trivialen äußerlichen Lebensumstände eines Künstlers ja nicht wirklich interessant, oder? Ihre ersten Arbeiten begann sie bei Marvel, aber bald war sie auch für andere Häuser eine gefragte Zeichnerin. Für viele Hefte zeichnet sie die Titelbilder.

Bei diesen Bildern stammt natürlich nur die Zeichnung von Conner selbst: die Farbe wird in einem zweiten Schritt von einem Coloristen hinzugefügt, wobei der Colorist in ihrem Fall oft Palmiotti heißt.


Conner zeichnet aber auch das Innere von Heften. Eine ihrer frühen Arbeiten, die ihren ersten Ruhm begründeten, war für Vampirella, wie Powergirl eine Vertreterin der weitläufigen Kategorie der unterbekleideten Superheldinnen und Monster:

Und Conner nutzt dieses Konzept natürlich weidlich aus zur Darstellung jugendfrei-erotischer Posen stark idealisierter weiblicher Figuren.

Aber zugleich beginnt sie auch, die an sich eher düster-dramatischen Geschichten mit ihrem ganz eigenen Witz und Humor aufzulockern: trotz ihres stark vereinfachenden Striches wimmelt es in ihren Bildern von liebevollen Details, und sie versieht ihre Protagonisten nicht nur mit ausdrucksstarken Gesichtern, sondern auch Seele und Menschlichkeit. Wir begegnen hier auch erstmals einer der Connerschen Frauen auf der Toilette.

Aber auch die Toilette im älteren Sinne des Sich-Zurechtmachens wird von ihr immer wieder aufgegriffen, etwa im folgenden Bild:

Oder auch im folgenden Bild, einem Kostümfest, auf dem Supergirl, verkleidet als Supergirl, erscheint (wobei wir auch schon einem Verweis auf unsere spätere Heldin begegnen):




Unzweifelhaft wird in vielen dieser frühen Arbeiten Conners Talent für eher banale und dürftige Geschichten verschwendet,…

…aber selbst in diesen frühen Arbeiten kommt das Spielerische, die Lust am Fabulieren der Connerschen Kunst zur Geltung…

…ebenso wie ihre Begabung zu Ausdrucksstarken Gesichtern.


Im nächsten Teil werden wir dann sehen, wie Conner zwei etwas interessantere Geschichten illustriert.

Postskriptum

Während ich noch an meiner Skizze bastle, ist bereits Power Girl #13 erschienen. Es ist nicht wirklich so, als ob ich zeitnah auf aktuelle Entwicklungen reagieren würde. Vielleicht sollte ich lieber eine Skizze über mittelalterliche Buchmalerei schreiben, das soll ja auch ein ergiebiges Thema sein, oder, was mir eher liegen würde, über die niederländische Malerei der Renaissance. Aber selbst da gibt es vermutlich monatlich neue Entwicklungen, neue Fachartikel, die bisherige Gewissheiten in Frage zu stellen drohen, und so weiter, also unübersehbar viel Arbeit, um aktuell und auf dem Laufenden zu bleiben.

Amanda Conner andererseits lässt sich nicht beirren: als neuesten Geniestreich illustriert sie eine Geschichte in Wonder Woman #600, zu der sie außerdem auch den Text geschrieben hat. Und irgendwie kommt auch Power Girl in dieser Geschichte wieder vor. Und Hentai.

»Teil 2: Erste Meisterwerke