|
Vorheriger Eintrag: „Schulmädchen, Teil 1: Buffy, die Vampirkillerin“
Nächster Eintrag: „Schulmädchen, Teil 2: Daria“ 2009-01-24Schulmädchen, Teil 1, Anhang: Wonder Woman & Power GirlIch habe in der vorangegangenen Skizze Buffy auf Kosten von Wonder Woman und Power Girl gelobt, aber das ist natürlich die dämlichste und schlechteste Art, etwas zu loben, indem man es mit etwas anderem vergleicht und dieses andere dann schlecht redet. Wenn etwas gut ist, dann nicht deshalb, weil etwas anderes schlecht ist, sondern aus eigenem Vermögen. Der Comic Empowered, für den ich vor kurzem geworben habe, scheint auf den ersten Blick, trotz seines Titels, vom Feminismus denkbar weit entfernt und statt dessen bloß eine Ansammlung männlicher Fantasien, der sich über seine Titelheldin erbarmungslos lustig macht. Aber auf den zweiten Blick ist es eine Geschichte darüber, sich trotz widrigster Umstände die eigene Würde zu bewahren, und insofern Buffy nicht unähnlich: ob es nun darum geht, mit einer superdünnen, superempfindlichen Supermembran fertig zu werden, oder mit dem Fehler, ein Teenager zu sein, in beiden Fällen müssen die Heldinnen mit Fehlern, Demütigungen und Rückschlägen fertig werden, wie wir alle. Aber aus der Großartigkeit von Buffy und Emp folgt nun nicht die Verwerflichkeit von Wonder Woman und Power Girl. Nachfolgend also nun, zum Ausgleich, zwei lobenswerte Dinge über Wonder Woman und Power Girl
Zwischen Superheldencomics und antiker Mythologie besteht eine augenfällige Ähnlichkeit. Nicht nur gibt es in der antiken Mythologie Helden mit Superkräften, oft genug treten Superhelden oder Schurken als Verkörperungen abstrakter Prinzipien auf, ähnlich einer Gottheit, die für ein bestimmtes abstraktes Prinzip steht. Eine babylonische Schilfgottheit wird bildlich so dargestellt, dass aus ihrem Körper Schilf wächst und sie über und über mit Schilf bedeckt ist: so könnte sie ohne weiteres als Schilfgirl in einem Superheldencomic auftreten. Thor verdankt seine Superkräfte einer Reihe von Gadgets, neben dem berühmten Hammer etwa besitzt er ein Segelschiff, dass sich zusammen klappen und in die Hosentasche stecken lässt. Er scheint wie für einen Superheldencomic gemacht, und es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass es tatsächlich von Marvel eine Comicreihe gibt, die Thor zum Helden hat. Anubis hat einen Tierkopf, Athena wird durch eine Eule repräsentiert, Batman ist eine Fledermaus, und Cyndablock hat das Aussehen und die Kräfte eines Ziegelsteins. Ein Held hat die Kräfte des Wassers, ein anderer die Macht des Feuers, ein anderer Held ist die Verkörperung der Schnelligkeit. Herakles ist erst ein Superheld und später ein Gott, der die Göttin Hebe heiratet. Die Ähnlichkeit zwischen Superhelden und antikem Mythos sollte vielleicht nicht allzu ernst genommen werden, da sich solche Ähnlichkeiten zwischen allem und jedem beliebig vermehren lassen. In gewisser Hinsicht gleichen die Helden aus Superheldencomics auch katholischen Heiligen, jedenfalls in ihrer bildlichen Darstellung: Da die Helden von DC und Marvel von immer wieder neuen Zeichnern gezeichnet werden, können sie nicht über ihre Gesichter, sondern müssen über ihre Attribute wiedererkennbar bleiben. Üblicherweise ist das wichtigste Attribut das Kostüm des Helden oder Schurken, aber auf dem folgenden Bild sind alle Heldinnen, obwohl sie alle gleichermaßen weiße Kleider tragen, dennoch eindeutig zu erkennen. Wonder Woman ist daran zu erkennen, dass sie in der Mitte steht und alle anderen überragt, außerdem auch noch an der Haartracht im griechischen Stil. Power Girl ist an dem runden Loch in ihrem Kleid zu erkennen. Poison Ivy erkennen wir an ihrem Efeu, Harley Quinn an dem Narrenstab. Zum Vergleich: wir wissen, dass es Josef von Arimathea ist, der Jesus Schultern stützt, und Nicodemus, der seine Füße hält, weil das die traditionelle Aufgabe dieser beiden Figuren ist. Obwohl wir also auch Bezüge zwischen Superheldencomics und katholischen Heiligenbildern herstellen können, scheint mir dennoch die Verwandtschaft zur antiken Mythologie stärker (abgesehen davon, dass sich argumentieren ließe, dass die katholischen Heiligen selbst wieder nur eine Variante der antiken Götter sind), und gelegentlich, wie etwa im Fall des Marvel-Superhelden Thor, wird die Verwandtschaft sogar explizit gemacht. So auch im Fall von Diana, Prinzessin von Themyscira (oder Themiskaia), der Welt des Patriarchats bekannt als Wonder Woman. Ihr Volk, die Amazonen, wurde von Athena und einigen anderen Göttinnen ex nihilo erschaffen, und Diana selbst ist eine von Göttern zum Leben erweckte Tonfigur, weil ihre Mutter Hippolyta sich in einer unsterblichen und rein weiblichen Gesellschaft ein Kind gewünscht hat.
Der erste Herrscher der Götter war Uranos, der Himmel, der von seinem Sohn Chronos entmannt wurde, weil zwischen Uranos und seiner Gattin Gaia, der Erde, kein Raum für die anderen Götter blieb. Damit lud Chronos einen Fluch auf sich, dass er so, wie er seinen Vater um die Herrschaft gebracht hatte, seinerseits von seinem Sohn um die Herrschaft gebracht werden würde. Um diese Vorhersage zu vermeiden (aber solche Versuche sind ja bekanntlich immer nutzlos) verschlang Chronos seine Kinder, nur Zeus nicht, den Rhea heimlich durch Steine ersetzte, und Zeus erschlug Chronos und befreite seine Brüder Poseidon und Hades und seine Schwester Hera. Nun freilich drohte auch Zeus das Verhängnis, dereinst von einem seiner Kinder entmachtet zu werden, ein Übel, das noch verschärft wurde dadurch, dass Zeus mit ziemlich vielen Wesen Sex hatte, so etwa auch mit Metis, der Göttin der Weisheit, die dann auch – denn der Same eines Gottes ist stets fruchtbar – prompt schwanger wird, und es wird Zeus prophezeit, das Kind der Metis werde ihn entmachten. Nun besinnt Zeus sich auf den Trick seines Vaters und verschlingt kurzerhand Metis, was das Schicksal jedoch nicht aufhalten kann: neun Monate später leidet Zeus unter rasenden Kopfschmerzen, lässt sich von Hepheistos den Schädel spalten und gebiert so Athena, die in voller Rüstung aus seinem Haupt steigt und fortan seine Lieblingstochter wird, die einzige, die seine Donnerkeile benutzen darf. Was natürlich die Frage aufwirft, ob nicht Athena eines Tages Zeus entmachten müsste. Der Mythos lässt sich so deuten, Zeus sei lediglich prophezeit worden, falls Metis von ihm einen Sohn bekäme, würde dieser ihn entmachten; da er aber eine Tochter bekam, kam er noch mal mit dem Schrecken davon. Aber diese Deutung ist nicht unbedingt universell, und derartige Mythen existieren gewöhnlich in verschiedenen Varianten. Von Aristophanes gibt es eine Komödie „die Vögel“, in der zwei Menschen im Wolkenkuckucksheim einen Aufstand gegen den Himmel und die Götter anzetteln und damit dann sogar Erfolg haben und die Götter bezwingen, und einer der beiden, Peithetairos, heiratet am Ende, um den Friedensschluss mit den Göttern zu besiegeln, die jungfräuliche Basileia, die Himmelskönigin, wodurch er zum legitimen Erben der Götter wird. Wir erfahren nicht den Namen der Himmelskönigin, aber wir erfahren, dass sie eine Jungfrau von großer Schönheit ist, die Tochter und Vertraute des Zeus, die seine Donnerkeile verwendet, dass zu ihren Aufgaben und platonischen Ideen, die sie verkörpert, neben anderem auch die Vernunft gehört und dass zu ihrem Erbe der Anspruch auf die Herrschaft des Zeus gehört. Außer Athena gibt es meines Erachtens keine Olympierin, auf die diese Beschreibung passen würde – mehr noch, im gleichen Atemzug sagt Aristophanes außerdem, einziger Erbe des Zeus sei Athena – und falls Aristophanes tatsächlich Athena gemeint haben sollte (siehe dazu auch die geleehrte Fußnote weiter unten), wäre verständlich, warum er sie lieber namenlos gelassen hat. Die Vorstellung, ein Mensch könne die jungfräuliche Schutzgöttin der Stadt Athen heirateten, dürfte für die Athener ziemlich blasphemisch gewesen sein. In anderen Mythen schlägt Athena Menschen, die kein schlimmeres Verbrechen begangen haben, als sie versehentlich nackt gesehen zu haben, mit Blindheit. Andererseits ist allein schon die Vorstellung, ein Mensch könne Zeus entmachten, schon blasphemisch genug ist, und die Athener scheinen sich nicht weiter daran gestört zu haben. Und schließlich, alle überhaupt nur denkbaren Blasphemien werden im Laufe der Zeit irgendwann einmal auch gedacht, und wer sich eine der Göttinnen des Olymps als Gattin aussuchen dürfte, wer würde da nicht die freundlichste und klügste von ihnen wählen? Jedenfalls war Aristophanes der Meinung, dass Athena berufen ist, eines Tages Zeus zu beerben. Und wollten wir die Mythen des Olymps für unsere Zeiten aktualisieren, dann liegt es nahe, dass der etwas willkürliche und untreue Zeus durch seine vernünftigere Tochter ersetzt wird. Eines Tages muss Athena sich gegen Zeus erheben. Und eben diese Geschichte erzählt Greg Rucka, wobei Diana bei diesem Herrschaftswechsel eine entscheidende Rolle zukommt. Die Geschichte ist allerdings ein bisschen verwickelt und erstreckt sich über viele einzelnen Bände. Zuerst einmal müssen wir mit Medusa anfangen. Die Geschichte der Medusa (oder Medousa in dieser Fassung) wird ein wenig entschärft und jugendfrei gemacht, aber mit einer intratextuellen Begründung: es handelt sich um eine Gute-Nacht-Geschichte für zwei aufgeweckte Jungs; die Erzählerin ist Cassandra Sandsmark, auch bekannt als Wonder Girl, Dianas Sidekick. Sie findet sich, entzückend gezeichnet, in Auszügen hier:
Ergänzung 2008-02-28: Leider funktionieren die folgenden drei Links derzeit nicht mehr, ich arbeite daran, das zu beheben.
Scans Daily: When Wondy Was Awesome – Interlude II (Bedtime Stories) Nun ist der Bezug zwischen Medusa und der Welt der Superhelden hergestellt. Medusa wird wieder zum Leben erweckt, und Diana muss sie besiegen, was ihr mit knapper Not gelingt (leider nicht mehr ganz so hervorragend gezeichnet): Scans Daily: When Wondy Was Awesome – part 16 (Justice is Blind) Und nun beginnt Athena ihren Aufstand gegen Zeus (die Zeichnungen werden wieder besser): Scans Daily: When Wondy Was Awesome – part 17 (Athena’s Champion) Selbst wenn Buffy der komplexere Charakter sein sollte: Zeus absetzen, Athena nötigen, ihr Handeln zu rechtfertigen, und den Briareos im Alleingang besiegen, und zwar blind: das hat schon was.
Die Ursprungsgeschichte von Power Girl ist etwas verworrener.
Ganz am Anfang stand ein Comic von einem Mann, der ein buntes Kostüm trug und derart übermenschliche Kräfte besaß, dass er ein ganzes Auto aus eigener Kraft hochheben konnte, und der sich Superman nannte.
Im Laufe der Zeit kamen noch ein Superhund und ein Superpferd und eine Supercousine namens Supergirl hinzu.
Und ein gewisser Superboy Prime. Der genaue Umfang der Superkräfte des Superman und seiner Entourage schwankten ebenso wie die genauen Details seiner Herkunft vom Planeten Krypton in den verschiedenen Versionen und Inkarnationen seines Mythos. Statt nun hinzunehmen, dass ein Mythos keine eindeutige Gestalt besitzt und notwendigerweise Varianten produziert, entschloss sich DC zu der Deutung, die verschiedenen Fassungen von Superman aus dem bronzenen, silbernen und goldenen Comiczeitalter seien alle gleichermaßen real, aber Bewohner verschiedener Paralleluniversen, und in einer dramatischen Aufräumaktion wurden alle diese Paralleluniversen bis auf eines vernichtet, und alle anderen Überlebenden Kryptons bis auf Superman wurden aus sämtlichen Universen ausradiert, auf dass Superman der wirklich wahrhaft letzte und einzige und einzigartige Überlebende Kryptons sei. Bis auf Power Girl, die irgendwie aus einem anderen Universum übrig geblieben war und nun Supermans Cousine wäre, wenn sie nicht aus einem ganz anderen Universum stammen würde. Während Wonder Woman ganz ernsthaft als Identifikationsfigur für Mädchen im Namen von Feminismus und Empowerment eingeführt wurde, war Power Girl ursprünglich einmal eher eine ziemlich alberne Karikatur einer Feministin, was sie inzwischen aber glücklich überwunden und sich statt dessen zu einer symbolischen Verkörperung von Stärke und Entschlossenheit weiterentwickelt hat, oder so ähnlich. Der Legende nach versuchten ihre ersten Zeichner, ihren Brustumfang von Heft zu Heft immer weiter zu vergrößern, bis ein Redakteur sie zurückpfeifen würde, was dann aber nie geschah, aber für diese Legende gibt es keine Belege, und eigentlich hatte sie immer schon ziemlich viel Häufigste Superkraft. Ihr Kostüm enthält ein Loch an ziemlich prominenter Stelle, was innerweltlich von ihr so begründet wurde, ihr sei für ihr Kostüm kein Symbol eingefallen, da ihr das Super-S für sich unpassend erschien, und so habe sie die Stelle leer gelassen; die extrafiktionale Begründung für dieses Loch dürfte ziemlich offensichtlich sein.
Eine Figur mit derart wirren oder peinlichen Ursprüngen, was lässt sich zu ihrer Verteidigung aufführen? Welches Lob kann ich ihr spenden? Dass sie von Amanda Conner gezeichnet wurde:
Hier nun noch die versprochene gelehrte Fußnote. Die von mir vorgeschlagene Deutung, die Basileia sei mit Athena identisch, ist alles andere als weithin verbreitet und akzeptiert. Die häufigste Deutung dürfte wohl sein, Basileia sei (wie der Name sagt) die Verkörperung der Königswürde, und indem Peithetairos Basileia heiratet, heiratet er die Königswürde, das heißt, er wird zum König (nämlich zum König der Welt). Andere Deutungen identifizieren sie mit einer der vielen Göttinnen, die zufällig den Beinamen „Basileia“ haben. Möglich ist auch, dass die Basileia ein Scherz des Aristophanes ohne tiefere Bedeutung ist. Ich habe aber auch Gleichsetzungen der Basileia mit Hera oder einer ansonsten unbekannten Athener Stadtgöttin vorgeschlagen gesehen. Meine Deutung hat zugegebenermaßen gewisse Probleme: In Aristophanes Text wird Athena explizit genannt, warum sollte dann Basileia namenlos bleiben? Dass Aristophanes vermeiden wollte, der Blasphemie geziehen zu werden, erscheint angesichts der sonstigen Frivolitäten der „Vögel“ doch etwas zweifelhaft. Auch sind die sexuellen Tabus des Christentums den antiken Griechen unbekannt, unsere Intuition, Sex mit Athena sei noch blasphemischer, als Zeus seiner Herrscherwürde zu entkleiden, dürfte wohl anachronistisch sein, und die Zeitgenossen des Aristophanes könnten umgekehrt die Entthronung des Zeus für das schlimmere Sakrileg gehalten haben, ohne dass sie sich daran gestört hätten, dieses Sakrileg im Rahmen einer Komödie vorgeführt zu bekommen, in der wohl alles erlaubt ist. Die umfangreiche Liste der göttlichen Zuständigkeiten der Basileia passt nicht sehr genau auf die üblichen Zuständigkeiten der Athena, die zwar von Webstühlen bis Kriegsführung auch für alles mögliche verantwortlich ist, aber doch für ein etwas anderes Sammelsurium (obwohl die Zuständigkeit für Marine andererseits recht gut auf die Kriegsgöttin Athene und Schutzherrin der Seemacht Athen passen würde). Seltsam wäre auch, weshalb gerade die redegewandte Athena bei Aristophanes eine stumme Rolle hätte haben sollen – möglich allerdings, dass Aristophanes sich hier des Vorbildes von Prozessionen bedient, in denen Athena als Statue anwesend, aber stumm ist. Andererseits, Peithetairos mit dem abstrakten Prinzip der Königswürde zu verheiraten, passt doch auch recht wenig zum Geist des Stückes, in dem alles irdisch und handgreiflich ist und selbst die Erbschaften der Olympier den Athener Gesetzen des Solon unterworfen sind. Basileia mit irgend einer obskuren Titanin zu identifizieren, nur weil diese zufällig in einem anderen Text mal den Beinamen Basileia hatte, scheint noch weniger angebracht. Der Schlusschor mit dem Hochzeitsmarsch bezeichnet darüber hinaus Basileia explizit als Tochter des Zeus, was meines Erachtens die Deutungsmöglichkeiten erheblich einschränkt. Dass der Staatsstreich des Peithetairos nachträglich dadurch legitimiert wird, dass er Athena heiratet, wäre angesichts der Aristophanesschen Argumentation, dass Athena die einzig legitime Erbin des Zeus ist (den Solonschen Gesetzen folgend) ein wunderbar stimmiges und logisches Ende des Stückes. Es würde auch zu dem Märchenmotiv passen, dass ein weiser Berater, nämlich Prometheus, dem Helden, hier Peithetairos, den Kniff verrät, welche Forderung er an seine überwundenen Widersacher stellen muss, um gemäß deren Gesetzmäßigkeiten endgültig ihrer Herr zu werden. Zugegebenermaßen, zu diesem Märchenmotiv würde auch passen, wenn Basileia die personifizierte Königswürde ist, deren Besitz einen automatisch zum König macht. Aber Zeus ist ja im allgemeinen nicht deshalb Herrscher der Götter, weil er über die Basileia verfügt; Aristophanes verweist explizit darauf, dass Zeus mit Hera verheiratet ist und Peithetairos eben gerade nicht Hera zur Frau begehrt (dem letzten Sterblichen, der das versuchte, ist es auch nicht besonders gut bekommen). Wir haben also: Prometheus verrät Peithetairos, dass er, um seine Herrschaft zu festigen, Basileia von den Göttern fordern muss; Herrschaft wird, Gesetzen folgend, vererbt; Erbin des Zeus ist Athena; Basileia ist ein Kind des Zeus. Ansonsten müssen wir annehmen, dass es mindestens zwei „legale“ Wege gibt, Zeus zu entmachten: zum einen über Erbfolge, zum anderen durch Heirat Basileias als davon unabhängige Methode. Die Verhandlung mit Herakles würde dann aussagen, dass Herakles dulden soll, dass Peithetairos sich die Weltherrschaft durch die Heirat Basileias sichert, weil Herakles der andere Weg, nämlich Zeus zu beerben, sowieso verschlossen ist, weil nämlich diesen alternativen Weg nur Athena, die legitime Tochter des Zeus, beschreiten kann (wieso die außerehelich gezeugte Athena allerdings ein legitimes Kind des Zeus ist, wird nicht so recht erklärt), Herakles selbst also ohnehin chancenlos ist (Basileia kann er vermutlich nicht heiraten, weil er schon mit Hebe verheiratet ist), er also durch die Duldung der Hochzeit des Peithetairos eben gerade nicht sein Erbe um ein Linsengericht (oder hier: einen Hühnerbraten) verschleudert. Möglich wäre natürlich auch folgendes: die Geschichte des Peithetairos lässt sich auch lesen als die ultimative Wunscherfüllungsgeschichte (jedenfalls für heterosexuelle Männer), das heißt, ein tugendloser Nichtsnutz, also jemand, mit dem wir uns alle ohne Anstrengung identifizieren können, erreicht alles, was er will, lebt im Wolkenkuckucksheim, wird Herrscher der Welt und heiratet schließlich eine schöne Göttin. Welche Göttin das ist, bleibt der Phantasie der Zuschauer überlassen, die, wenn sie sich mit Peithetairos identifizieren, sich aussuchen dürfen, wer für sie Basileia sein soll. Demnach wäre für jeden Zuschauer Basileia seine jeweilige Lieblingsgöttin. Mein Insistieren, Basileia müsse Athena sein, würde demnach nur meine Liebe zur Weisheit zeigen. Und zu Webstühlen und maritimer Kriegsführung.
Kommentar schreiben
| SucheAktuelle EinträgeTaubenfrau und Axtmann
2013-03-24 Köln 2013-03-23 Datensammlungen 2013-02-24 Der Weltraum. Unendliche Weiten. Zum Scheitern verurteilte Männer in roten Pullovern und schöne Frauen in rückenfreien Kleidern. 2013-02-23 Ironischer Alptraum 2013-02-22 Synästhesie-Reprise 2013-02-12 Einige Wechselfälle der Götter 2013-02-03 Das Kennzeichen Europas ist der Beitrag am Mittwoch 2013-01-22 Noch älteresNeuester Eintrag in Sketches BlogBlog abonnieren |